In dem gutmütigen und für allen Jammer des Lebens so empfindlichen Herzen des Geheimrats war ein Kampf.

Es wurde ihm schwer, aus der Nähe der Frau zu gehen, die sich eben mit ihren Händen an seine Hand geklammert hatte. Er fühlte wohl, es war ihr ein wenig Trost, ihn zu sehen. Vermutlich nur um des zufälligen Umstandes willen, daß er Arzt war — daß sein Gebiet ein total anderes sei, kam ihr vielleicht gar nicht zum klaren Bewußtsein.

Aber da oben saß sein liebes, junges Kind, und da war auch seine Frau — zwei Herzen, die in Spannung und Ängsten lebten — die schon mit tausend Fragen auf ihn warteten. Und denen er sehr ernste Dinge zu sagen hatte.

Er sprach aus seinen schweren Bedenken heraus: „Sie gefällt mir nicht — gar nicht gefällt sie mir, die junge Frau — leidenschaftlich, wie sie ist — und ganz mürbe — man könnte ihr wohl eine Verzweiflungstat zutrauen ...“

Emmich sah ihn groß, mit offenem Mund an.

Hin und her dachte der Geheimrat.

„Wenn du mir auch telephonieren würdest, sobald die Lage sich hier verändert — es dauerte doch zwei Stunden, bis wir unten sein könnten ... wir müßten lieber für einige Tage ins hiesige Hotel übersiedeln ... Um ihr nahe zu sein — ja, das müßten wir ...“

„Er sagt immer ‚wir‘,“ dachte Emmich unruhig.

„Ja, es wäre das beste. Ich fahre jetzt hinauf und bereite das vor ... Gegen Abend komme ich wieder.“

Merkwürdigerweise war er ganz umständlich — sprach mehr als nötig über jede kleine Nebensache — konnte gar kein Ende finden.