Ja, alles, was dieser Mann tat und ließ, war von der bedachtsamsten Vorsicht bestimmt, das war deutlich.

Das hatte etwas Entwaffnendes. Respekt sprach daraus. Vor dem fernen Gatten der Frau, vor der Frau selbst. Vielleicht auch ein Stolz, der keinen Flecken auf der Ehre duldet ...

Über diese Gedanken hin kam Emmich zu einer Aufwallung des Verständnisses.

Was mochte dieser Mann wohl leiden!

Dem war es ganz gewiß nicht leicht, sich mit einer unbezwinglichen Leidenschaft einzurichten und abzufinden.

„Das wird es keinem,“ dachte Emmich, „und er — er hat doch offenbar alle Hoffnung, sein Ziel zu erreichen — wär’ er sonst hier?“ ...

Er wagte nicht den kürzesten Spaziergang. Zum Lesen fehlte ihm jede Sammlung. Das Mitleid mit Jutta vermengte sich auf das unentwirrbarste mit der Unruhe um sein eigenes Geschick.

Wenn er noch wenigstens die praktischen Anforderungen hätte überdenken können, die die Lage an ihn stellen würde. Wie war denn die Lage?

Er vertrat hier den fernen Freund und Kameraden.

Aber wenn die Frau ihm nun sagte: Dein Freund ist nicht mehr mein Gatte — — ich löse mich von ihm los?