Nun stand Renate ganz wie versteinert.

„Und — sie?“ fragte sie endlich.

„Sie — ja, sie! Nun ist sie wie wahnsinnig — was morgen kommt — was die Zukunft bringt — wer weiß es! Sie hatte ja solche Begierde nach Glück ... Vielleicht wirft sie sich nun einem anderen Mann in die Arme, weil ihr die Ehe mit Malte zu schwer schien — weil sie keine Opfer bringen konnte — weil sie gleich müde wurde an ihrer Sehnsucht ...“

„Wie sprichst du bitter,“ sagte Renate leise.

„Wie soll man nicht bitter sprechen, wenn man sieht, wie eine Frau ein Mannesleben zerbrechen möchte, das er ihr gutgläubig in die Hände gab! Das sie mit heißen Schwüren und voll Liebe hinnahm ... Das sie dann nicht zu ehren und zu schonen wußte ... warum? Weil sie es nicht verstand, mit ihrer Sehnsucht fertig zu werden — weil sie die Gegenwart des Geliebten brauchte, um zu lieben — armselige Liebe ist das — besser gar keine als solche.“

Sehr hart sprach er, und Renate fühlte wohl: das war ihr mitgesagt.

Sie schluchzte auf, wollte sich durchaus bezwingen und kämpfte ihre Tränen nieder. Sie hatte auch die Empfindung, sie dürfe, sie müsse sich irgendwie verteidigen, und sie habe diese Härte nicht ganz verdient.

Aber er war von einem blinden Männerstolz und Trotz ganz beherrscht.

„Gottlob,“ sagte er, beinahe triumphierend, „wir sind fest geworden in unserem Beruf. Wir verstehen uns darauf, die Zähne zusammenzubeißen. Jawohl, wetterfest sind wir, ganz und gar. Wir ducken uns nicht, und wenn’s auch zum Untergang zu kommen scheint. Wir sind unser Leben, unsere Kraft, unsere Klarheit höheren Dingen schuldig. Und wenn eine Frau nicht begreift, daß sie daran teilhat, dadurch, daß auch sie Opfer bringen darf — dann ist sie’s eben nicht wert, die Frau eines deutschen Seeoffiziers zu werden! Das hätte auch Jutta sich sagen sollen. — Jede soll sich das vorher klarmachen! Aber wir — wenn wir uns denn schon mal in der Wahl vergriffen — in Gefühlselend versumpfen wir nicht! Auch Malte ist ein ganzer Kerl. Wenn er all dies erfährt — es wird ihn treffen — kann schon sein, daß er’s Lachen für immer verlernt, daß er ein einsamer Mann bleibt für immer — aber er bleibt aufrecht stehen — Ja, stehen bleiben wir ...“

Dieser stolzen Heftigkeit konnte sie nichts entgegensetzen wie ein leises verschüchtertes Weinen.