Das war alles nicht leicht ... bevormundend in die Tragik eines anderen Lebens einzutreten ...

Herbert von Gamberg fiel ihm ein ...

„Wäre ich nicht zur Stelle, hätte der Mann alles in die Hand genommen,“ dachte er. Und diese Vorstellung erleichterte ihm etwas die schweren Stunden.

Was die Zukunft auch bringen mochte: Maltes Kind sollte nicht von Maltes Todfeind begraben werden ...

Mitten in all dem traurigen Hasten erzählte Martha ihm einmal, daß Herr von Gamberg wieder habe nachfragen lassen, und daß der Diener den Bescheid vom erfolgten Ableben des Kindes mitbekommen habe. Man sah: es war ihr wichtig. Es hatte ihr auch wohlgetan, sich mit dem Diener, der vielleicht ihr guter Freund war, auszusprechen.

„Also nun weiß er es,“ dachte Emmich, „kann sein, daß es ihm leid tut — natürlich, einer Frau, die man liebt, der möchte man Gram erspart sehen — möglich auch, daß dieser Tod so mancherlei Zukunftssorgen auslöscht, noch eh’ sie deutlich wurden — es war immer Maltes Kind — erinnerte an ihn — hielt sein Gedächtnis, seinen Namen im Leben der Frau ganz gegenwärtig ... kann schon sein, daß ein heimlicher kleiner Erleichterungsseufzer sich in die Kondolenz mischt — wäre menschlich.“

Bald nach zehn Uhr fuhren, im vorausgleitenden Licht, das in Strahlenkegeln aus den Laternen am Bock kam, zwei geschlossene Wagen durch die Hochsommernacht. Der Wald stand als Finsternis am Weg. Rasch bergab ging die Fahrt.

Aus dem Schweigen des Waldes führte sie in das hellerleuchtete Schweigen einer schon schlafenden Stadt. Vor einem Tor mit strengen Pfeilern hielten endlich die Wagen. Alles war schattenhaft. Das Dunkel einer Kapelle tat sich auf. Lichter, die einsam wirkten und wie verloren in dem schwarzen Grund, blinkten und bewegten sich. Männer tauchten auf und verschwanden in der Tiefe. Dann schlossen sich Türen. Ein heller, klingender Ton, der Schlag von Eisen gegen Eisen, zitterte kurz auf.

Und Emmich hatte seine Pflicht getan. Nun blieb nur noch die letzte: morgen nachmittag den kleinen Sarg aus der Kapelle zu geleiten und in die Erde betten zu lassen.

Er fuhr zurück. Es war gegen ein Uhr in der Nacht, als er in der Pension eintraf. Das Haus war wie versunken in schonungsvolle Stille. Nur eine Lampe erhellte karg Korridor und Treppe.