Aber was war denn seine kalte Heftigkeit gegen Renate anderes gewesen als Richterhochmut und selbstsüchtige Furcht?!

Mit einem Male vernahm er ganz deutlich, was er in der Dunkelheit des Gartens mit zornigem Vorsatz überhört hatte: Renatens Weinen.

All sein männlicher Hochmut schmolz dahin. Verwandelte sich in ein Mitleid, das ihn ganz weich machte.

Sein liebes Mädchen hatte geweint! Und er ließ sie ungetröstet.

Anstatt sie herzlich und ernst an sich zu ziehen und ihr zu sagen: sieh, laß uns von diesem allem lernen — laß uns begreifen, daß es in der Liebe keinen festen Besitz gibt, daß man sie jeden Tag und jede Stunde voll Wachsamkeit beschützen muß. Nicht gegen die Versuchungen, die von draußen kommen, sondern viel mehr und viel ängstlicher gegen unsere eigenen Schwächen.

Anstatt so zu ihr zu sprechen, wie er als der Reifere hätte tun müssen, ließ er sie weinen.

Gefiel sich förmlich in Härte.

Bis sie mit einem stillen „Lebe wohl!“ von dannen ging, hinein in die Dunkelheit.

Dies Lebewohl ängstigte ihn mit einem Male schwer. Er legte allerlei Klänge hinein: den des Schmerzes, der Bitterkeit, des tief verletzten Stolzes. — Es kam ihm plötzlich nachträglich so vor, als sei der Vater in stummem Zorn mit seiner Tochter davongegangen ...

Ja, dies Lebewohl war ein Abschied gewesen.