Emmich sehnte sich bald recht von Herzen nach dem klugen Gesicht des Geheimrats, in dem auch während des tiefsten Ernstes stets ein Lächeln zu warten schien. Aber dies Gesicht, das einen immer wie von selbst zur Frische und zum Mut ermahnte, zeigte sich nicht. Und plötzlich dachte Emmich, es habe ein stolzer und kalter Zurückzug darin gelegen, wie der Geheimrat gestern abend sagte: „Du benachrichtigst mich wohl, wenn ich hier noch gebraucht werde.“
Dies — nachdem er ein paar Stunden vorher extra sich in der Nähe angesiedelt hatte, um zum Beistand bereit zu sein. Natürlich war es ein Rückzug gewesen! Und wie denn auch nicht? ...
„Er sah, daß ich seine Tochter weinen ließ ...“
Und mit einem Male saß Emmich vor einem Briefbogen und schrieb mit dahinrasender Feder:
„Geliebte! Ich kann nicht zu Dir eilen und flehen: verzeih, daß ich Dich weinen ließ. Denn ich muß hier wachsam sein. Ich mußte gestern abend nicht heftig werden. Ich mußte sagen: Laß uns an dem Beispiel der Schwäche und des Leides lernen, daß wir stark und glücklich werden! Bin ich denn noch — ja, immer und ewig bin ich
Dein Emmich.“
Es fand sich zum Glück ein Bote in der Pension, der die größte Schnellfüßigkeit versprach ...
Nun ertrugen sich die Stunden schon leichter.
Er dachte: sie wird ja nicht unerbittlich sein — Und er lächelte manchmal glücklich in sich hinein.
Weil seine Stimmung sich verändert hatte, war er plötzlich wieder von Vertrauen zu ihr erfüllt. — Das Unlogische hiervon wollte sich ihm manchmal aufdrängen. Aber er fühlte, sich entschuldigend: ... in der Liebe! Wer hat schon von ihr Logik gefordert? —