Auch die Begegnung wurde ihm erspart, der er voll Unbehagen entgegensah: der Legationsrat von Gamberg zeigte sich nicht.
Und dann kam endlich der Augenblick, wo er die junge Mutter geleiten mußte, damit sie ihr kleines Kind in das allerletzte Lager betten sähe ...
Ihm schien, als werde sie von Erschütterung ergriffen, als er eintrat — sie schwankte — hielt sich an der nächsten Stuhllehne und faßte sich gewaltsam ...
Erinnerte er sie an den fernen Gatten? Deutlicher als je vielleicht? Weil er, der feierlichen Stunde die Ehre gebend, seine Uniform angelegt hatte ... Den Rock, den auch der Vater des Kindes trug? War es das? ... Aber sie schien sich rasch zu beherrschen.
In aufrechter Haltung ging sie an den Wagen.
Von schwarzen Schleiern ganz umhüllt, in Schweigen, das ihm unnatürlich und bedrohlich schien, saß sie neben ihm. Und doch war es vielleicht nur ein gefaßtes, sanftes Schweigen völligster Ergebung.
Er wagte nicht mit einem Wort der Frage oder des Trostes daran zu rühren.
Ihm fiel wunderlich deutlich ein, was sein Schwiegervater gestern abend gesagt: „Solches Leid verwischt sich und vergißt sich, wenn neues, blühendes Leben ins Haus kommt.“ — Ja, der sprach aus der Erfahrung einer glücklichen Ehe heraus ...
Was für eine Zukunft wollte diese Frau sich aufbauen? Oder dachte sie an keine mehr? ...
Und so, in Schweigen, kamen sie an die Pforte mit den strengen Pfeilern ...