Sie betraten den Kirchhof — jenen wunderbaren Platz aller Melancholien und aller Entzückungen, aller Leiden und allen Trostes.
Die junge Frau, am Arm Emmichs gehend, hielt im Schreiten inne ... Sie sah sich um — sah hinaus — langsam ging ihr Blick von der Ferne zur Nähe ... verweilte wie erstaunt auf dem weißen Marmorbildnis der tragischen Königin, das aus Blumenüppigkeiten unterhalb des Friedhofs sich erhob — ein steinernes Mal, der Menschheit ein Zeichen, daß auch ein Thron keine Zufluchtsstätte vor den Grausamkeiten des Schicksals gewährt ...
Sie seufzte tief auf ... und schritt langsam und schweigend weiter ... Da war eine kleine Kapelle ... da waren Menschen ... Erkannte sie denn keinen?
Auch den hohen, blassen Mann nicht, der neben Renatens Mutter gestanden hatte und nun herankam und ihre Hand küßte und gleich mit Ehrfurcht wieder zurücktrat? Auch ihn nicht?
Es schien, sie sah nichts, außer dem winzigen Sarg, der eigentlich nur ein Gehäuf von Blumen war, auf einem kleinen, mit schwarzem Tuch bedeckten Postament.
Sie hielt sich immer fest an Emmichs Arm ...
Als sei er ihr der Nächste in diesem schweren Augenblick — als sei der hohe, blasse, ernste Mann ihr ganz fremd. Da war ein Priester ... Er sprach ein tröstliches Gebet. Nicht mehr als das ...
Über ein kleines Kind, das gekommen und gegangen war, ohne vom Leben etwas zu wissen, konnte Menschenweisheit nicht mehr sagen ...
Und dann trug ein Mann den länglichen kleinen Berg von Blumen auf vorsichtigen Armen voran.
Es war ein winziger Zug, der folgte. Die junge Mutter wie ein Schatten nur — neben ihr fest und gerade der Mann im blauen Rock, der die Zähne zusammenbiß und so stark und so deutlich an den fernen Kameraden dachte — als könne er ihn dadurch herbeschwören ...