Durch ferne Wasser rauschte sein Schiff — die Flagge wehte — die Möwen flogen — phantastisch fremdartige Ufer dämmerten am Horizont — stark und voll eherner Ruhe klang das Kommando ... am weißen Bug schwollen die Wogen ... Und hier begräbt man dein Kind — das du nie gesehen — dessen Schrei du nie gehört ...
Seemannslos, mein alter Kamerad — Seemannslos.
Aber wir stehen aufrecht! Ja, das tun wir. Und zerbrechen nicht daran ...
Er drückte den Arm der Frau an sich, so fest, so stark, als könne er sie damit halten, an den fernen Mann ketten.
Als hätte dieser Druck ihr weh getan — so zog sie nun ihren Arm aus dem seinen. Vielleicht wollte sie auch allein, ganz allein an die Stätte treten.
Hinter ihnen gingen Renate und ihre Mutter — in jenen leisen Tränen, wie nur Frauenmitleid und Frauenwissen sie weinen können ...
Und dann die beiden Männer: der kleine Gelehrte mit bekümmerter Miene und der andere — in etwas steifer Haltung, beherrscht und undurchdringlich wie immer ... Wie schnell war die letzte Arbeit für das kleine Kind getan ... Emmich empfand es beinahe als etwas Schauriges. So viel Hoffnung und Vorfreude, so viel geheimnisvolles Werden — all die heiße Not der einsamen Mutterschaft, die die Frau erlitten — all die Bitterkeit und Tränen ...
Und nun: ein paar Hantierungen — noch ein Gebet ... Und im Grunde eines engen und nicht sehr tiefen Loches häuften sich Blumen ... Das war alles.
Scheu trat er zurück ... Ihm war: man muß sie wohl allein lassen. Zu einem letzten Blick.
Vielleicht fühlten die anderen Zeugen ebenso ... eine unschlüssige, zögernde Bewegung ging durch die paar Menschen. Da sah Emmich ganz deutlich, daß Jutta eine Hand erhob — ganz leise nur — als wolle sie sie ausstrecken — in der Geste, die man macht, wenn man jemand halten will. Und er sah auch: das galt dem Mann.