Alles war in ihr erloschen — wie weggeweht. — Und dennoch — dennoch tat es weh, zu sagen: leb’ wohl ...

Sie begriff es nicht mehr, daß sie um seinetwillen gezittert hatte ... Und dennoch — das Wort „niemals“ ist wie Tod ... Sie wußte: es verdirbt sein Leben ...

„Ich kann nicht anders, Herbert,“ sagte sie sehr leise und sehr traurig. Und wieder hingen ihre Blicke ineinander. In einem letzten, schweigenden Kampf ...

Und in einer grausamen, tödlich demütigenden Erkenntnis begriff die Frau es plötzlich: ihm verdanke ich es — seinem Stolz und seiner Ehre, daß wir schuldlos scheiden können ... Sie schluchzte auf.

„Leb’ wohl ... Und Dank ... Und vergib ...“

Sie entzog ihm ihre Hand.

Sie brach zusammen ... Die Hände vor dem Gesicht, beugte sie sich und legte ihre Stirn gegen den kalten Stein — der von einem fremden Leben und anderen längst erloschenen Leiden sprach ...

Sonne und Schatten spielten unruhig über sie hin ...

Noch ein paar Herzschläge lang stand er — wartend — vielleicht — vielleicht betäubt von der Gewißheit: verloren — zum zweitenmal verloren — für immer verloren ... Und dann ging er — rasch — unbeherrscht — Form und Schein und Welt vergessend — ganz benommen von dem Wissen: Verloren ...

So kam er an den Freunden vorüber, ohne sie zu grüßen — ohne sie zu sehen ... Ein fassungsloser Mann ... Emmich sah ihm nach. — Was war das?