Gut aufgehoben war sie — da gab es keine Sorge ...

Aber die Last, die sie in ihrem Gemüt mit hinübernahm über den Ozean, die konnte ihr eben niemand tragen helfen ...

Sie hatte nicht geweint beim Abschied. Es schien Emmich sogar, als habe sie in der Art, ihr Haupt zu tragen, wieder ein wenig von der alten stolzen Haltung — es war immer so etwas Kühnes und Mutvolles darin gewesen. Und wahrlich, es gehörte Mut dazu, den Weg zu gehen.

„Glaubst du,“ flüsterte Renate, wie sie nun so standen und zu der einsamen Frau hinaufsahen, „glaubst du, daß sie sich wiederfinden?“

„Er ist gerecht und gütig,“ sagte Emmich zuversichtlich, „und sie ist vollkommen wahr — ja, das ist sie — sie wird ihm nichts — nichts verbergen — und sie würde nicht zu ihm gehen, wenn da was wäre, was sie verbergen müßte — dafür kenn’ ich sie denn doch ... Wie sollten sie sich nicht wiederfinden ...“

Renatens Mutter trat heran. Sie war fraulich und mütterlich sehr besorgt: eine so schöne, junge Frau und so allein und mit dem Kummer ... Und dann: wenn sie ihren Mann nun gar nicht mehr in Hongkong fände.

„Dann findet sie ihn anderswo ... Du glaubst nicht, Mama, wie klein die Erde ist ... ich hab’s ihm heute früh depeschiert — daß sie zu ihm kommt ...“

„Ach und wenn sie ihn findet — ob es wohl zu ihrem Glück ist? Du sagtest einmal: sie hat eine wandernde Seele — eine, die mit Sehnsucht vergiftet ist — eine von denen, für die es keine Erfüllung gibt.“

„Freilich hab’ ich das gesagt,“ gab der Geheimrat zu, „aber da hatte sie all das Schwere noch nicht erlitten — und und es gibt Seelen, die erst durch einige Narben zu rechter Festigkeit kommen — die erst im Schmerz lernen, was für ein Gut die Freude ist ...“

Er unterbrach sich. Ein heulender Ton — dreimal hintereinander — schnitt ihm und allen das Wort ab.