Nun setzte sich Jutta auf ihren Balkon. Da stand das Glas Milch, und da lag die Zeitung. Sie griff mechanisch nach beiden.
Die Post hatte nichts gebracht ...
Und Hochhagen sprach doch von einem Brief, den er bekommen habe, dessen Inhalt so wichtig schien, daß er heute nachmittag ihn mit ihr zu besprechen wünschte?
Aber ganz ohne Zweifel würde für sie selbst auch noch etwas kommen. Mit dem Eintreffen der Auslandpostsachen ging es ja zuweilen willkürlich. Was drüben an einem Tag aufgegeben und ganz gewiß mit dem gleichen Schiff expediert worden und in Bremerhaven angekommen war, langte hier tropfenweise, auf die Post von zwei, drei Tagen verstreut, an.
Jutta wußte nicht mehr, ob sie sich nach diesen Briefen sehnte oder sich vor ihnen fürchtete ...
Drunten ging die Gartenpforte — man hörte sie aufklinken und wieder zufallen und dann einen raschen Schritt auf dem gepflasterten Weg, der von der Pforte her an der rechten Seite des Vorgartens bis an die Haustür führte.
Ganz flüchtig horchte die junge Frau diesem lebhaften Gang nach. Aber es war ihr nicht der Mühe wert, sich aus ihrem Stuhl emporzurecken und hinabzusehen.
Sie las den Bericht über die letzte Regatta und versuchte etwas von dem zu begreifen, was sie las.
Da erschien Martha in der Tür. Freudig stand sie, ihr von Sommersprossen beinahe bräunliches Gesicht glänzte. Hell war ihre Erscheinung mit dem straffen weißblonden Haar, in dem rosa Kattunkleid vor dem dunkeln Hintergrund. Und sie meldete: „Kapitän Hochhagen.“
Jutta fuhr auf. Ein kurzes Erstaunen verwirrte sie. Jetzt? So früh? Hatte er nicht heute nachmittag kommen wollen?