Und die rasche Ahnung, die Frauen in bedrängtem Gemütszustand so leicht befällt, kam ihr: Eine Unglücksbotschaft!

„Ich lasse bitten,“ sagte sie und ging ihm schon entgegen.

Da er wähnte, jederzeit in diesem Haus der willkommene Besucher zu sein, war er dem meldenden Mädchen auf dem Fuße gefolgt. So traf Jutta mit ihm schon in ihrem Wohnzimmer zusammen, in dem tiefen Schatten, der es durchdämmerte, weil draußen auf dem Balkon die grüne Persienne fast ganz herabgelassen war.

„Was ist geschehen?!“ rief sie zitternd.

„Mein Gott,“ sagte er betroffen. Einzig sein Erscheinen zu ganz ungewöhnlicher Tageszeit genügte, um sie zu entsetzen?! Ja, sie war aus den Fugen! Seit langem, langem.

„Liebe gnädige Frau! Etwas sehr Schönes ist geschehen. Ich habe mich mit Renate Gervasius verlobt, und Sie sollen die erste sein, die es erfährt.“

„Oh,“ murmelte sie, wie erloschen — die Flamme ihrer Erregung sank in sich zusammen — aber sie fühlte ihre Knie beben und setzte sich.

„Nichts,“ dachte sie, „nichts ist geschehen. In meinem Leben nichts ...“

Der vor Glück strahlende Mann stand vor ihr. Sie reichte ihm die Hand empor. Er hielt sie fest umschlossen.

„Ja,“ sprach sie, „das ist schön. Das freut mich. So ein liebes, wundervolles Kind ...“