Sie warf sich in den nächsten Stuhl, versteckte ihr Gesicht an der Lehne und weinte — weinte — daß der Mann ganz verlegen wurde, Zeuge solcher Tränen sein zu müssen.

Es erschütterte ihn. Er fühlte, da war eine Verworrenheit, eine Erregung, eine Leidenschaft aller Empfindungen, die noch weit über das hinausgingen, was er gefürchtet hatte.

Er spürte auch, jede Zurede, jedes Wort war schon ein Wagnis.

Aber aus einem ganz einfachen, gesunden Mannesgefühl heraus sagte er doch, fast streng und stolz: „Er war da, wo sein Kaiser und sein Vaterland ihn brauchten.“

Eine Pause entstand.

Ganz jäh hatte Jutta aufgehört zu weinen. Still, mit verstecktem Gesicht verharrte sie.

Er dachte nicht darüber nach, was dies plötzliche Verstummen bedeuten könne. Er fühlte nur: sie muß nun irgendwie mit sich ins reine kommen, und das wird sie ja wohl auch.

All die letzten Monate hatte er gedacht: „Die Frau muß wieder mit ihrem Mann zusammenkommen, die verträgt das Alleinsein nicht.“ Und das gab er denn auch brieflich dem fernen Freund so deutlich zu verstehen, als es möglich war, ohne diesen zu beunruhigen.

Nun sah er: es war noch viel dringlicher gewesen, als er geahnt hatte.

Mit Geduld ertrug er nun diese Pause, solange es ihm schicklich schien, dann sagte er voll Freundlichkeit: „So, meine liebe gnädige Frau — vorbereitet sind Sie — das Genauere, und wie Malte sich alles denkt — das lesen Sie ja wohl besser in seinem Brief. Ich bitt’ bloß: Ruhe, Ruhe, Ruhe! Und vielleicht — könnt’ man ja auch sagen: der Mann geht dem Kind vor. Aber da bin ich noch nicht kompetent ...“