„Du bist in großartiger Stimmung,“ sagte sein kurzgewachsener stämmiger Freund Lebus mit Betonung. „Ich sehe nichts wie den Marineball nach Schema F, den man schon so oft abgetanzt hat. Das einzige wichtige und schöne Erlebnis des Abends ist die Anwesenheit der gnädigen Frau.“
Und auch sein Gesicht, das durch eine von keinerlei Haarwuchs mehr gekrönte Stirn sehr groß für seine kleine Gestalt schien, glänzte ganz und gar.
„Nun, Herr von Reiswitz hat alle Gründe, in bester Laune zu sein,“ meinte Jutta und sah den Offizier mit wirklicher Freundlichkeit an. „Im Handikap Eckernförde-Kiel Erster geworden, der ‚Freia‘ einen Prunkbecher ersegelt; bei der Preisverteilung von Majestät ausführlich angesprochen — wem da der Himmel nicht voller Geigen hängt, dem kann das Glück überhaupt nicht mehr aufspielen.“
„Gnädige Frau dürfen mir glauben, daß es mir eine große Genugtuung ist, Ihrer Empfehlung keine Schande gemacht zu haben,“ versicherte Reiswitz voll Selbstgefühl; „ich wußte, daß die allgemeine Aufmerksamkeit sich auf die ‚Freia‘ richtete, und daß ich für die Ehre der deutschen Werft, die sie gebaut hat, und ihres Besitzers, der sie meiner Führung anvertraute, mich mit meinem ganzen segelsportlichen Können einzusetzen hatte.“
„Der Besitzer der ‚Freia‘ ist Ihr Vetter, gnädige Frau?“ fragte der Kapitänleutnant Heidebrecht. Er sah ein wenig dem großen Napoleon ähnlich, und wenn er nur eine Frage tat wie diese ganz gewöhnliche, wirkte es, als forsche er gnädig nach tiefen Dingen.
„Vetter?“ sagte Jutta und machte achselzuckend eine Geste, als lohne es sich nicht, eine ganz nebensächliche und weitläufige Beziehung genau darzulegen. „Herrn von Gambergs Mutter und meine Mutter sind irgendwie verwandt.“
Und ihre Blicke glitten dabei an Heidebrechts massivem Kopf unruhig vorbei und suchten in der Menge.
„Ich kenne Herrn von Gamberg,“ erzählte mit seiner heiseren Stimme Lebus, „das heißt, ich weiß nicht, ob er sich meiner erinnert. Als ich vor zwei Jahren in einem kleinen Ablösungstransport von Ostasien mit heimkam, befand sich auch Gamberg an Bord des ‚König Albert‘. Gamberg hatte, glaube ich, als Sekretär im Generalkonsulat von Schanghai ein Jahr gearbeitet und war ins Auswärtige Amt berufen.“
„Ach ...,“ sagte Jutta.
„Es ist förmlich, als wenn das Wetter wüßte, was es der gnädigen Frau schuldig sei,“ meinte Heidebrecht, „glänzender konnte es nicht sein, und so haben Sie gleich das erstemal den ganzen Zauber der Kieler Woche kennen gelernt und sind ihm für immer verfallen.“