„Nur schade, daß Herr Kapitän nicht selbst die Freude haben durfte, Ihnen die Kieler Woche zu zeigen. Wie er wohl herdenkt! Die ‚Luise‘ ist ja wohl gerade in diesen Tagen in Nagasaki angekommen.“

Jutta ging auf diese Randbemerkung von Lebus nicht ein. Sie antwortete vielmehr Heidebrecht.

„Hier darf man nicht nur, hier muß man vom Wetter sprechen. Ja, es war unerhört schön. Und wenn es so bleibt, Sonnenschein und frischer Nordwest dabei, ersegelt sich Reiswitz übermorgen von Kiel nach Travemünde wieder einen Preis.“

„Pardon, gnädige Frau,“ bat Reiswitz sehr eifrig und mit dem Aberglauben des Seglers, „Wetter muß man nicht loben, Wetter muß man anschnauzen. Und gerade weil gnädige Frau sich etwas für Herrn von Gambergs ‚Freia‘ interessieren ...“

Jutta lachte.

„Ach nein,“ behauptete sie, „ich interessiere mich gar nicht so dringlich für die ‚Freia‘, wie Sie vorauszusetzen scheinen.“

„Gnädige Frau haben nur aus reiner Herzensgüte für Herrn von Gamberg die Situation gerettet?“ fragte Heidebrecht.

„Was heißt das: die Situation retten,“ sagte Jutta achselzuckend. „Gamberg hat sich die Jacht bauen lassen, ich glaube mehr dem Drängen befreundeter Sportleute folgend als gerade aus einer großen Neigung. Man engagierte ihm für die ‚Freia‘ eine fixe Mannschaft und einen Skipper, der eine Perle sein sollte. Und im letzten Moment, das heißt acht Tage vor Beginn der Kieler Woche, stellte sich’s heraus, daß der Skipper ein Trinker ist. Da ich nun zufällig wußte, daß Herr von Reiswitz sich sehr danach sehnte, eine Jacht führen zu dürfen, schlug ich Gamberg vor, er möge sich an Reiswitz wenden.“

„Ich konnte ja Herrn von Gamberg auf meine Erfolge mit der ‚Maria-Clarissa‘ verweisen, die ich voriges und vorvoriges Jahr für den Amerikaner Huston gesegelt habe. Ich hatte mich auch dies Jahr für Huston freigehalten: da hat die ‚Maria-Clarissa‘ Pech und wird bei Cowes angesegelt, und Huston depeschiert mir ab. Aber so geht es: erst ließ ich die Ohren hängen. Nachher stellt sich’s ’raus, daß es ’n Dusel war, denn es war ja natürlich viel interessanter, die ‚Freia‘ zu führen. Neue Jacht, Typ zum erstenmal auf deutscher Werft gebaut — etwaiger Erfolg gewissermaßen Beweis für Leistungsfähigkeit deutscher Schiffsbautechnik, auch auf diesem Spezialgebiet — ich darf sagen: es spannte an! Besonders auch durch den Umstand, daß die Segel noch nicht genügend getrimmt waren. Ja, das kostete Nerven. Aber gottlob: ich kann vor Herrn von Gamberg und, woran mir noch mehr liegt, vor meiner allergnädigsten Gönnerin bestehen.“

„Mit welcher Wendung das Gespräch wieder glücklich bei deinen Seglerqualitäten angelangt wäre,“ sagte Lebus und klopfte den Kameraden wohlwollend ein bißchen auf den Rücken.