„Niemand kann so genau von meinen Vorzüglichkeiten unterrichtet sein wie ich selbst. Deshalb ist es meine Pflicht, bei der herrschenden Konkurrenz, sie unserer gnädigen Frau wiederholt zu Gemüt zu führen,“ antwortete Reiswitz vergnügt.
„Ich finde aber doch, Sie wollen zu viel gelobt und belohnt sein. Deshalb verzichte ich aus erzieherischen Gründen auf den nächsten Tanz mit Ihnen,“ erklärte Jutta mit nervösem Lachen.
„Sehr zu billigen! Frauen sind die geborenen Erzieherinnen,“ lobte Heidebrecht, „und hier steht der Ersatzmann! Ich habe noch keine Dame zur Quadrille.“ Er verbeugte sich.
„Der Weg zur Partnerschaft mit der gnädigen Frau bei der Quadrille geht nur über meine Leiche,“ erklärte Reiswitz. „Gnädige Frau! Auch für die Damen der Marine ist kameradschaftliche Gesinnung und deren fortwährende deutliche Betätigung ein zwar ungeschriebenes, aber absolut zu befolgendes Gesetz. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß es unkameradschaftlich wäre, wenn Sie mir die Quadrille verdürben. Ich habe auch schon ein Visavis, das Ihnen zusagt. Dito garantiere ich, daß Ihnen drittes und viertes Paar genehm ist.“
„Wie genau Sie meinen Geschmack kennen!“ spottete Jutta. „Namen, bitte ...“
„Visavis also Kapitän Hochhagen! Was können Sie gegen ihn haben? Er ist der beste Freund Ihres Mannes.“
„Mein Aufseher!“ dachte in jäh aufwallender Bitterkeit Jutta, „mein Beschützer — mein Vormund — mein Gefangenwärter ...“
Aber sie lachte auch schon wie eine, die sehr angenehm überrascht ist, und sagte: „Vortrefflich. Ich zieh’ hiernach meinen Verzicht zurück.“
„Sehen Sie wohl! Und Hochhagen hat das wunderhübsche Fräulein Gervasius.“
„Na — wunderschön ...!“ warf Lebus kritisch dazwischen, als wolle und könne er niemand Schönheit zuerkennen außer der hier gegenwärtigen unerreichten Frau Jutta.