Jutta ging rasch in den Flur. Dieser Vormittag hatte schon so viel gebracht. ... Kam noch etwas? Noch mehr Erregendes?

Aber nein. Eine ganz kleine, ganz jammervolle Stimme antwortete, als Jutta sich gemeldet hatte: „Bist du es selbst, Liebes? Ach Gott, ich habe grauenhafte Kopfschmerzen.“

„Das tut mir leid,“ antwortete Jutta nicht sehr ergriffen, „aber du kannst das Tanzen ja nun mal nicht vertragen.“

„Und das weiß Hektor doch,“ klagte die hinsterbende Stimme, „und er hätte doch strenger sein müssen. Ich sage dir, Liebes: meine Beine sind Zwirn, und schauderhaft ist mir ganz und gar.“

Jutta brauchte nicht viel Phantasie, um sich Lisbeth Rosenfeld am Telephon vorzustellen: schlapp wie ein Wesen ohne Rückgrat, ohne Knochen, bloß ein Kleiderbündel mit einem schweren Kopf darauf.

„Dann leg dich doch,“ riet sie.

„Will ich auch. Ja, und was ich dir sagen muß, Liebes — du weißt es auch natürlich schon: Hochhagen schrieb eben — er hat sich mit der süßen Renée Gervasius verlobt — eine reizende Crewschwester — nett für uns beide, nicht? Und du bist natürlich auch da heut abend? Improvisierte Vorverlobungsfeier. Liebes, was ziehst du an?“

„Ich denke, du stirbst vor Kopfweh?“ sagte Jutta.

„Ich will mich auch auf der Stelle hinlegen. Und bis zum Abend liegen bleiben, damit ich dann wieder im Gange bin. Und deshalb telephoniere ich. Liebes — sei nicht böse ... aber ich kann nicht zum Tee zu dir kommen heute nachmittag.“

„Ja,“ sprach Jutta etwas heiser in den dunkeln kleinen Schallfänger hinein und wurde rot, als stehe sie einem scharfen Auge gegenüber, „ja — schon’ dich nur ... es läßt sich nicht ändern ...“