„Aber nun bist du ja wohl ganz allein mit Herrn von Gamberg heute nachmittag?“ erinnerte die klägliche Stimme aus dem Unsichtbaren heraus.
„Ich sage ihm ab!“ rief Jutta. „Schluß.“
Aber sie wußte auch schon fast im gleichen Moment, daß sie ihm nicht absagen würde.
Und als sie in ihr Zimmer zurückkehrte, trug sie das Haupt herrisch erhoben.
„Das hat so kommen sollen,“ dachte sie.
Sie fühlte sich wie getragen von großen, entscheidenden Entschlüssen ... nur daß es Entschlüsse waren ins Unbestimmte hinein ... Mehr Stimmung als Wille.
III
Oberleutnant z. S. von Reiswitz kam vom Jachthafen bei der Seebadeanstalt, ging sehr langsam die Düsternbrooker Allee hinunter und bog in den Schwanweg ein. Da hatte er links den Botanischen Garten und rechts die vornehmen Villen, die sich die Sonne ins Gesicht scheinen ließen. Sacht wand sich die Straße, fast schluchtartig am Fuß der hochliegenden Gärten hin, an Fundamenten entlang, auf denen sich Gitter erhoben. Rosengerank und alles, was es an grünem, sich schlingendem Gewucher gibt, kletterte um die Gitter und an den Hausfronten empor. In den Büschen brütete die Hitze. Über den Rosen bebte sichtbar die Luft in Wellen. An den Baumkronen, die alt, stolz und vielästig den Gartenbildern Wucht gaben, regte sich kein Blatt. Blau war der Himmel, unerhört blau, monoton blau — als sei er mit sehr fetter Ölfarbe glatt auf eine Riesenleinwand hingestrichen.
Das Herz voll Zorn und Erbitterung ging Reiswitz.
Wenn diese faule Sommerprotzerei mit Windstille und Sonnenbrand etwa anhalten sollte, konnte es morgen eine schöne Geschichte werden — die Flaute und Glut von Kiel nach Travemünde ... das wäre, um blödsinnig zu werden.