Beinahe hätte sie aus überquellendem Gefühl gesagt: Lieber Reiswitz — ich gehöre nun dazu ...
An der Gartenpforte von Professor Doktor Krämers Haus, wo oben Frau von Falckenrott wohnte, standen sie noch ein Weilchen und sprachen sich noch über das scheußliche, schandbare, nicht ausdenkbare Pech aus, das es für Reiswitz und die von ihm geführte „Freia“ bedeutete, wenn morgen Flaute sein würde.
Und dann fragte Reiswitz sehr plötzlich: „Falls ich zufällig Herrn Kapitän Hochhagen begegnen sollte, dürfte ich ihm einen Gruß vom gnädigen Fräulein bestellen —“
„Herr von Reiswitz,“ sagte Renate, vor großer Heiterkeit ganz übermütig, „Sie sollten Diplomat werden. Hier, ich gebe Ihnen eine Rose. Wenn Sie Hochhagen auf dem Weg zu Ihrer Wohnung in der Karlstraße treffen sollten, überreichen Sie sie ihm als Zeichen meines Respektes. Wenn Sie ihn aber nicht treffen, behalten Sie die Rose selbst als Erinnerung an diesen historischen Augenblick.“
Sie wußten ja beide, daß Hochhagen ganz gewiß nicht in dieser Gegend und Tageszeit auf der Straße angetroffen werden würde.
„Ich danke gehorsamst für das Geschenk dieser Rose,“ sagte er in fröhlicher Feierlichkeit, „und wenn mein Achtel, das ich mit Lebus spiele, auch mal mit dem großen Los herauskommt, lass’ ich zu der Rose eine silberne Kapsel machen.“
„Großartig. Und wenn wir beide alte Leute sind, dann frag’ ich mal: Bewahren Exzellenz immer noch die Rose auf?“
Und wie große Kinder lachten sie hell und fanden all dies sehr unterhaltend.
Oben auf dem Balkon, im Schutz seiner ihn einhüllenden Blatt- und Blütenwirrnis, stand eine Frau und horchte auf jedes Wort.
In der großen, heißen Nachmittagstille wurde jeder Laut so klangvoll, schien zu schwellen, zersprengte das Schweigen. Und die beiden jungen Menschen in ihrer lustigen Unbefangenheit dachten auch gar nicht daran, ihre Stimmen zu dämpfen.