Den Rest des Vormittags, die schweren schleichenden Stunden des Mittags hatte Jutta gelitten wie eine Angekettete.
Immerfort peitschte sie das Bewußtsein: ich muß einen Entschluß fassen! Ich muß das Wort hinaussenden in die weite, weite Welt, das ihn erreichen soll, das ihm meldet: ich komme — ich komme — das Wort, auf das er wartet.
Hochhagen hatte ihr die Segellisten des Norddeutschen Lloyd geschickt. Sein Bursche brachte sie, während Jutta dicht vor ihrer Tischzeit die Kleine frisch bettete und tränkte.
Sie fühlte: es war rührende Aufmerksamkeit. Dieser Mann, der heute in einem Rausch von Glück lebte, dachte doch noch an sie und ihre Angelegenheiten.
Aber sie empfand nicht nur die Fürsorge. Sie empfand wieder darin eine Bevormundung, spürte eine Mahnung. Es hieß ihr: Entschließe dich; depeschiere; ein Nein ist unmöglich ...
Sie sagte sich: jetzt habe ich ja keine Zeit.
Dann, als die Kleine besorgt war und ihr die blanken Augen übergingen vor Schläfrigkeit — als sie eingeschlafen war, satt und von der Hitze schlaff, da dachte Jutta wieder: „Nun will ich erst in Ruhe essen.“
Und genoß doch fast nichts.
Nachher endlich blätterte sie den großen, roten, vielfach gefalteten Bogen der Segellisten auseinander.
Sie betrachtete ihn, als sei er eine Merkwürdigkeit.