Sie las den Fahrplan: Bremen-Neuyork. Eine lange Kolonne von Schiffsnamen und Daten — das sprach von einem unaufhörlichen Hin und Her zwischen hüben und drüben, einer atemlosen Eile von tausend und aber tausend Menschen, von einem Ufer zum anderen hinüberzurauschen.

Und all die anderen Fahrpläne verfolgten ihre Augen, als sei es wichtig, zu erfahren, wann man nach Baltimore oder Galveston, wann nach Kuba, nach La Plata oder Brasilien reisen könne, wie die Dampfer hießen, die den Mittelmeer-Levantedienst besorgten, und nach welchen Daten die Reichspostdampferlinie nach Australien sich regelte. Auch alle Agenturen des Lloyd im Inland wie im Ausland überflog sie. Nur ganz allein über den Fahrplan XV, Bremen-Hamburg-Ostasien, gingen ihre Blicke fort, vielleicht gerade, weil sie dort, ohne sehen zu wollen, doch einen kurzen, dicken Blaustiftstrich bemerkte.

Da hatte ihr Hochhagen den Dampfer angestrichen, den sie nehmen sollte ...

Dieser kleine, blaue Farbenfleck auf dem roten Papier stritt mit ihr.

Er schien ihr wieder ein Beweis, daß sie keinen freien Willen haben solle.

Sie dachte plötzlich: „Ich werde ihn fragen ...“

Eine verzehrende Spannung kochte in ihr auf, brannte in ihrer Brust.

Ja, das war es: ihn fragen!

Das war die einzig mögliche Form, ihm diese Sache mitzuteilen ... die zwangloseste Form ...

Sie machte sich daran, den Teetisch zu ordnen. Auf dem Balkon natürlich. Wo man so verborgen saß und das Gefühl, fast an der Straße zu sein, doch jede Unruhe und Befangenheit ausschaltete.