Die Sonne beschien nun nicht mehr den Balkon, ihre Strahlen strichen an ihm vorbei. Aber Büsche und Bäume des Vordergartens überströmte sie von rechts her mit einem Goldglanz, der etwas stumpf war von dem Staub und der Hitze, die in ihm flimmerte. Und links hinter sich, auf Rasen und Weg, hatten alle Gebüsche blaue, scharfe Schatten.
Nun war der Teetisch fertig — viel zu früh — Jutta übersah noch einmal alle Zierlichkeiten und Appetitlichkeiten. Die Spitzendecke, das blumige Meißner Porzellan, das Silber, die Rosen an den langen Stielen im hohen Glas.
Da hörte sie draußen auf der Straße, die gerade heute nachmittag wie verwunschen still war, Stimmen. Zwei sprachen da, die offenbar das Gefühl hatten: uns gehört die Welt, wir können uns in ihr benehmen, wie wir wollen. Oder vielleicht bewirkte es dies große, heiße Schweigen in all den Gärten, daß die Unterbrechung der sonnendurchbrüteten Stummheit etwas Vorlautes bekam.
Sie sah hinab. Wie denn? Fräulein Gervasius und der Oberleutnant von Reiswitz standen an ihrer Gartenpforte still? Das konnte doch nur die Bedeutung haben, daß eines von beiden sie zu besuchen dachte.
Ihr wurden die Füße schwer — so bleiern befiel die große Enttäuschung ihr ganzes Wesen.
Sie dachte: ich will Martha sagen, daß sie jeden Besuch außer dem einen abweist.
Nein — das ging nicht. Wenn Reiswitz jetzt kommen wollte, trieb ihn seine Ungeduld, die zu erfahren wünschte, ob Herr von Gamberg morgen mitsegeln wolle oder nicht. Und Jutta erinnerte sich: sie selbst hatte Reiswitz gesagt, daß Gamberg heute zum Tee käme.
Und wenn es Renate war, die kommen wollte, so durfte sie unter keinen Umständen abgewiesen werden.
Jutta stand und horchte und wartete. Kein Wort entging ihr.
Wie kindisch kam ihr das vergnügte Gespräch vor.