„Und warum? Haben Sie irgend etwas auf dem Herzen, wobei ich Ihnen helfen kann?“ fragte Jutta.

„Ja,“ sagte Renate und stand hilflos. Sie traute sich nicht einmal die Frau anzusehen und fand es doch etwas viel, daß sie so einfach hergegangen sei ... wenn diese ernste, arme, traurige Frau sie nun auslachte — oder oder zudringlich fände ...

Sie seufzte aus Herzenstiefe.

Jutta, weltgewandter und doch neugierig geworden, nahm das Mädchen an der Hand und zog sie neben sich auf das kleine, graue Sofa, das durch einen hinter ihm aufgestellten Wandschirm den Charakter eines traulichen Eckchens bekommen hatte. Auf der zwischen Bambusstäben straff gespannten dunkelbraunen Seide des Schirms stolzierten dickgestickte goldene Reiher hochmütig zwischen Aprikosenblüten von weichem, schimmerndem Weiß. Vor diesem phantastischen Hintergrund neigten sich die beiden Frauenköpfe einander zu.

„Ich bin,“ begann Renate, „ich habe ... ach Gott — soll ich es sagen? Ach ja — liebe, gnädige Frau — ich habe mich schon immer sehr für Sie interessiert — sehr — gleich, als Sie, jung verheiratet, hierher kamen — Sie wissen es gewiß gar nicht mehr — bei Exzellenz Marweg wurde ich Ihnen vorgestellt — bei Rohrbrands trafen wir uns einmal ...“

„Ich weiß es noch gut,“ sagte Jutta herzlich.

„Und dann verschwanden Sie aus der Gesellschaft. Ihr Mann ging fort. Und ich hörte davon sprechen, daß Sie eine kleine Tochter bekamen, und Herr von Falckenrott war so weit, weit weg. Und es tat mir leid, daß ich Sie so wenig kannte. Und deshalb nicht kommen durfte und fragen, ob Sie mir erlauben wollten, Sie liebzuhaben. Ja ...“

Sie seufzte nochmals so recht aus Herzensgrund — im Gefühl der Befreiung, des wachsenden Mutes, des Rechtes ihres Vorhabens.

„Liebes Kind ...“

„So sehr hab’ ich für Sie geschwärmt — schon lange, von weitem ...“