Jutta erinnerte sich: ja, da können junge Mädchen — so unbegreiflich ihre Seelen hingeben, an fremde Frauen, die sie kaum kennen, die ihnen irgendwie merkwürdig interessant scheinen ... Aus einem drängenden, gegenstandslosen Liebesbedürfnis heraus können sie für ferne, schöne Frauen schwärmen.

„Liebes Kind ...“ Sie lächelte weich und drückte Renates Hand.

„Und nun bin ich glückselig. Nun darf ich Sie lieben! Nun muß ich Sie lieben! Emmich hat mir gleich gesagt: Du, Rosenfeld und Falckenrott und ich, wir gehören zusammen, uns trennt nichts, nicht mal die Frauen sollen uns trennen; und mit Lisbeth Rosenfeld kann man sich gut vertragen; und Jutta Falckenrott, die mußt du sehr liebhaben, wie eine Schwester mußt du zu ihr sein. Denn sie ist vor Sehnsucht nach ihrem fernen Mann beinahe krank, und unsere Liebe muß ihr das leichter machen. Jawohl, das hat Emmich gesagt,“ schloß sie.

In Juttas Augen funkelten Tränen. Ihre Nasenflügel bebten. „Und deshalb kommen Sie ...?“

„Ja. Ich wollte Ihnen sagen, daß ich Sie bitten möchte, mich auch etwas liebzuhaben. Sehen Sie — dann ist Emmich glücklich. Stellen Sie sich vor: wenn ich ihn damit überrasche: wir kennen uns schon gut — ja, wir haben uns schon ausgesprochen ... was er wohl für Augen macht!“

Jutta umarmte das Mädchen.

Ein paar Augenblicke konnten sie nichts miteinander reden. Beide bemühten sich, nicht in Tränen auszubrechen.

Der einen zersprengte ihr Glück und die allgemeine Aufregung dieses für sie außerordentlichen Tages die Fassung.

Die andere war erschüttert in dem plötzlichen Gedanken, daß auch diesem zärtlichen, hingebenden, offenen Gemüt einst die gleichen Prüfungen beschieden sein könnten wie ihr selbst.

Und von diesem ihrem Gefühl hingerissen, mehr dem phantasievollen Mitempfinden als dem Verstand gehorchend, sprach sie leidenschaftlich: „Ach, Kind, wir wissen ja nicht, was wir tun, wenn wir unser Leben einem solchen Mann hingeben ... sein Beruf ist zu grausam gegen uns.“