Der Ausdruck von Renate Gervasius wurde wieder heller, und das Mädchen lächelte — wenn vielleicht auch etwas zögernd, aus noch schweren Gedanken herauf, fast aus Gefälligkeit nur für die neue Freundin.

Zugleich, während Jutta sich förmlich drängend bemühte, die Saat, die ihre unbeherrschten Worte vielleicht gestreut, wieder zu vernichten, horchte sie angestrengt mit wachsamen Ohren nach dem Korridor hinaus. Ob nicht die Glocke schrillte, ob nicht ein Schritt erklang. Und hatte doch vor dem Brausen des Bluts in ihrem Kopf alles überhört. So daß sie erschrak, als nun Martha hereinkam und meldete: „Herr von Gamberg.“

Renate schnellte förmlich empor. Sie mußte ja fort. Das ging unmöglich an, daß sie sich hier noch mit einem Besucher aufhielt, mit Tee trank — Mama erwartete sie bald zurück.

Zwischen Tür und Angel wurde der Legationssekretär von Gamberg noch vorgestellt. Man sprach noch zu dritt eine Handvoll Worte. Über Reiswitz und die „Freia“. Daß Reiswitz über die Flaute verzweifelt sei. Ob Gamberg morgen mitsegeln wolle oder nicht? Nein — er habe nicht die Absicht. Also werde der Platz im Boot für Lebus frei. Dann ging Renate. An der Tür umarmte Jutta das Mädchen.

Sie sahen sich in die Augen — sehr ernst — bis ein zärtliches Lächeln ihre Blicke hell machte.

Und nun war Jutta allein mit dem Mann.

Es kam ihr merkwürdigerweise so vor, als ob es das erstemal sei ...

Sie sprach allerlei — ein wenig gesteigert im Ausdruck — mit ungeregeltem Atem — wie reizend dieses Mädchen sei, daß man heute abend ihre Verlobung feiern werde. Und Martha brachte den Tee. Damit konnte man denn noch etwas herumhantieren — fürsorglich sein ... Aber endlich kam doch der Augenblick, daß sie einander in Ruhe gegenübersitzen mußten.

Sehr aufmerksam, kaum die notwendigsten Antworten auf alles was sie vorgebracht gebend, hatte er sie beobachtet. Und nun saß er still, sah sie mit seinen hellen Augen durchdringend an, und mit dem kleinen goldenen Teelöffel, den er zwischen Daumen und Zeigefinger in der Rechten hielt, tippte er unhörbar ein Marschtempo auf den Tisch.

„Das macht mich nun wirklich nervös,“ sagte sie.