Sie erhob sich. Hielt sich an ihrer Stuhllehne fest und wollte stark sein.

Ihre Lider schlossen sich geblendet. Denn durch das Gewölk hin zuckte ein Blitz.

„Und ich werde dennoch zu ihm reisen,“ sprach sie mit mattem Entschluß.

„Nein, Jutta,“ sagte er und griff nach ihrer Hand, „das werden Sie nicht tun. Wenigstens nicht aus dieser Stimmung heraus. Warten Sie noch. Prüfen Sie sich. Bedenken Sie die furchtbare Enttäuschung des Mannes, der ein Weib erwartet, das aus Liebe kommt, und er fühlt dann: sie kam nur aus Pflicht. Oh ... wenn zu mir ein Weib, mein Weib so kommen wollte — ich litte — mein Stolz hieße sie wieder gehen ... In diesen Dingen gibt es nur eine Würde, sie heißt: Liebe!“

Seinen beschwörenden Worten rollte ein Donner nach, stolz und mit seinem gebieterischen Schall die Luft erfüllend.

Jutta erbebte. Gewitter gingen ihr auf die Nerven — belästigt von der eigenen Schwäche wehrte sie das mit unwilliger Kopfbewegung von sich ab.

Er fuhr fort: „Ich weiß es wohl, ich von allen Menschen, ich bin der letzte, der Ihnen abraten darf zu reisen ... Jutta, wir wollen nicht lügen ... wir fühlen alles, wie es ist ... Nein, ich darf nicht sagen: bleiben Sie! Ich will niemand bestehlen. Stumm wäre ich wieder aus Ihrem Leben fortgegangen, wenn ich gesehen hätte: Sie sind glücklich! Sie sagen es selbst: Sie sind es nicht ... In solcher Stimmung tritt man eine solche Pilgerfahrt nicht an ...“

„Aus Dankbarkeit muß ich gehen — ja ... darum,“ sprach sie leise.

„Aus Dankbarkeit?“ fragte er erstaunt.

Nun rauschte der Regen. Seine millionenfachen Tropfenschnüre glitten zur Erde, und indem sie jagend durch die Luft herabsausten, nahmen sie aus ihr alle Schwüle und allen Staub mit. Blitze zuckten im grauen Wolkengedränge, und lang und knatternd rollte der Donner aus.