Und doch, da er bestrebt war, das heiße Blut zum ruhigen Fluß zu zwingen, doch nahm er mechanisch auf, was geschah: Auf gelbem Rad ritt draußen ein Mann heran und stieg ab. Die betropfte eiserne Gartenpforte gab, als man sie öffnete und schloß, einen hellen, klirrenden Ton, der durch die saubere Luft besonders metallisch sich schwang. Auf dem Seitenweg des Gartens führte der Mann mit der rotgeränderten Mütze sein gelbes Radroß neben sich.

Und zwei Minuten später hatte Jutta eine Depesche in der Hand.

„Morgen abend acht Uhr treffe ich in Kiel ein. Innigst

Mutter.“

IV

Du hast es bequemer getroffen als ich,“ sagte Rosenfeld, da er seinen Freund Hochhagen einmal zu einem knappen Gespräch unter vier Augen stellen konnte; „wenn ich noch an den Apparat denke bei meiner Verlobung! O je! Es waren die typischen Begleitumstände, die so vielen Junggesellen den Entschluß graulich machen: Feierlichkeit mit würdigen Reden, programmäßig vorgesehene Rührung, endlose Familienrücksichten.“

„Ja,“ lachte Hochhagen, „man geht eher über Leichen zu einer Frau, als über ein Dutzend von Wichtigkeit aufgeplusterter Tanten.“

„Mit deinen Schwiegereltern wirst du leben können,“ prophezeite Rosenfeld.

Sie gingen nach dem Abendessen im halbhellen, frischen Garten umher, auf dessen Kieswegen von der Nässe des nachmittägigen Gewitterplatzregens nichts mehr zu spüren war. In der breiten Veranda hinter dem Hause bewegte sich die Gesellschaft, noch in der ersten Unruhe nach dem beendeten Mahl, bei Kaffee, Schnäpsen und Zigarren. Helles Licht strömte von dort her in den Garten.

Das herzliche Lachen von Lisbeth Rosenfeld erhob sich manchmal über das allgemeine Stimmengeschwirr und stieg, Ton gewordene Fröhlichkeit, empor wie eine funkelnde Rakete. Sie war begeistert vom Geheimrat Gervasius und wußte seinen geistreichen und boshaften Munterkeiten auf das vergnügteste zu begegnen.