„Ja. Sie hat so eine rechte Mädchenschwärmerei für Jutta. Findet sie unerhört interessant. Bemitleidet sie leidenschaftlich. Es ist mir recht lieb. Zunächst wird Jutta ja nach Ostasien reisen. Aber wenn sie von dort heimgekehrt sein wird, liegt immer noch fast ein Jahr weiterer Einsamkeit vor ihr. Was könnte ihr die besser erleichtern als eine schwesterliche Freundschaft mit meiner Frau. Lisbeth und Jutta stehen sich gut. Aber du weißt: für traurige Herzen hat Lisbeth nicht sehr viel Zeit. Und Renate ist eins von den weiblichen Wesen, bei denen man gleich spürt: sie sind zum Trösten geboren.“

Seine Stimme klang ganz warm und bebte ein wenig. Die Andacht vor der reinen Jugend seiner Braut war so neu und stark in ihm, daß sein Gemüt sich noch nicht ganz damit eingerichtet hatte und heute beständig aus dem Lot kam.

Rosenfeld fuhr aus längerem Nachsinnen auf.

„Wird sie denn reisen?“ fragte er langsam.

„Ich denke doch. Warum sollte sie nicht?“

„Nun vielleicht wegen der Kleinen.“

„Das war ihr erster Gedanke — natürlich. Aber die Sehnsucht nach dem Mann wird stärker sprechen als diese Sorge. Und das Kind kann so vortrefflich bei Maltes Mutter untergebracht werden.“

„Glaubst du? Und du glaubst, daß es wirklich ganz ungemischt die Sehnsucht nach Malte ist, die ihrem Wesen diese Note von leidenschaftlicher Verschlossenheit gibt — es ist eine gefährlich anziehende Note ...“

„Was sollte es sonst sein?“

Sie sprachen sehr vorsichtig. Rosenfeld wagte nicht deutlicher von seinem sorgenvollen Unbehagen zu reden; der andere traute sich nicht einmal vor dem nächsten Kameraden seine Furcht auszusprechen. Worte geben den leisen, fernen Dingen oft eine brutale Gestalt — die steht dann breit und plump im Wege, und man muß mit ihr, als mit einer häßlichen Wirklichkeit, rechnen.