Von diesem allen sprach sie zu Jutta und brachte viele Einzelzüge als Beweise bei, wie wenig sie eigentlich auf den Geheimrat als Gatten, Vater und Gesellschafter rechnen könne, sich aber ganz so eingerichtet habe, ihn nie zu beanspruchen und doch immer für ihn da zu sein. Ein unschuldiger Stolz auf ihre Kunst, sich seinem Berufsleben anzupassen, zeigte sich. Wie rührte dieser Stolz den Mann, der in diesem gesegneten Hause als Sohn aufgenommen worden war. Er drückte Renatens Arm an sich — in einer Bewegung des Dankes — als habe auch das holde Kind schon überreiches Mitverdienst an all dem Klug- und Warmabgestimmten.
„Wie beneidenswert,“ sagte Jutta; „es muß doch wundervoll sein, dem Mann so in seinem Beruf beistehen zu können. Wenn es auch, wie Sie sagen, hinter den Kulissen ist. Wie ruhig kann er auf der Szene handeln, wenn er weiß: hinter den Kulissen geht alles glatt.“
„Aber Liebste, Beste, das gleiche tun doch Sie. Wenn auch in anderer Form,“ meinte die Geheimrätin eifrig.
„Ich? ...“
„Na ja doch ... oder ist das nichts, wenn so eine junge Marinefrau ganz allein, standhaft und geduldig den Herd bewacht — während der Mann weit draußen ist? Muß ich erst sagen, was alles darin liegt?“
Sie nickte ihrer Tochter zu, der künftigen Marinefrau. Und Renate erwiderte dies mütterlich stolze Lächeln mit aufstrahlendem Blick.
Hochhagen vermied es, Jutta anzusehen ...
„Das ist anders, wie Sie sich das vorstellen,“ sprach Jutta, „Ihre Pflichten schließen Leben und Bewegung in sich. — Sie dürfen aktiv sein. Ich habe nur zu warten.“ Mit so schwerem Ausdruck sagte sie es, daß er der Geheimrätin auffiel.
Eine rasche Gutmütigkeit wallte in dem Herzen der Frau empor — ein flüchtiges Mitleid und Ahnen, so wie es Menschen anwandeln kann, die eigentlich zu sehr ausgefüllt sind, um noch Anteilnahme für andere Schicksale aufbringen zu können.
„Gott — ja,“ dachte sie, „wenn man verliebt, jung und temperamentvoll ist, muß es wohl schwer sein.“