Sie erwog rasch: Die beiden Ehepaare aus Gervasiusscher Freundschaft und Verwandtschaft, die hier anwesend waren und jetzt in der entgegengesetzten Verandanische plaudernd zusammensaßen, mußte sie die nicht auch einladen? Eigentlich fand sie den langen Professor Lüdermann etwas trocken, und es verletzte ihr ästhetisches Gefühl, daß so eine winzig kleine Frau wie ein Anhängsel neben ihm hertrippelte; und an der arroganten Ruhe des Konsuls Thyssen, des Bruders der Geheimrätin, war ihre Lebendigkeit fast zerschellt, während Frau Thyssen sich immerfort zu bemühen schien, keine Überlegenheit zu zeigen ... Aber Lisbeth war eben von so unbegrenzter Gastfreudigkeit, daß sie hinzusetzte: „Und natürlich, liebe Frau Geheimrat, Ihren Herrn Bruder und Frau und Lüdermanns.“

„Beste Frau Lisbeth! So viel Menschen können Sie gar nicht setzen,“ warnte Hochhagen.

„O doch ... und wenn Sie mir Ihren Judeit leihen — Hochhagen hat einen großartigen Burschen — ostpreußischer Fischer — kann aber alles — serviert wie ein Diener im Schloß ... Ja, ach, es kann reizend werden. — Ganz einfach geht es aber zu bei uns, Frau Geheimrat — gerade das Improvisierte macht Spaß. Also morgen abend acht Uhr ...“

Sie war unwiderstehlich in ihrem Verlangen, alles, was an Menschen in ihren Dunstkreis kam, sich zu einer Bundesgenossenschaft der Lebensfreude zu werben. Sie wandte sich schon, um Thyssens und Lüdermanns ihre Einladung vorzutragen, und hatte keine Ohren mehr für das, was Jutta noch sagen wollte.

Und so mußte Jutta es dem Mann mitteilen.

„Lieber Rosenfeld,“ sprach sie, „ich kann morgen abend nicht zu Ihnen kommen.“

Hochhagen merkte auf.

„Aber das ist schade,“ sagte Kapitän von Rosenfeld, „das gibt’s nicht — solche Absage nimmt Lisbeth einfach nicht an.“

„Meine Schwiegermutter kommt morgen abend.“

„Maltes Mutter!“ rief Hochhagen.