„Ja!“

Er atmete ordentlich auf. Ganz unverhohlen. Über sein männliches Gesicht ging ein Freudenschein.

Jutta sah es, es ärgerte sie geradezu.

„Ich war sehr überrascht, als ich das Telegramm bekam,“ sagte sie und sah ihn mit prüfenden Blicken an. Und diese Blicke fragten ihn: Warst du das? Ist das auch deine Regie?

Er fühlte wohl, was ihr Ausdruck zu bedeuten hatte, und sagte ganz ehrlich: „Ich bin auch überrascht. Und ich freue mich riesig, daß wir Maltes liebe alte Dame wiedersehen sollen.“

Und er dachte: „Nun wird ja alles gut ...“

Er hatte eine unbestimmte, aber riesengroße Vorstellung von der Macht einer Mutter ... Als die seinige noch lebte, hatte sie alles über ihn vermocht. Und ob er gleich schon ein gereifter Mann war, da sie vor wenig Jahren starb, hatte er ein kindliches Gefühl des Verwaistseins in sich entdeckt, so voll schmerzlicher Wehmut, daß er sich fast hätte schämen mögen ...


Am anderen Abend fuhr Jutta zum Bahnhof. Eine große Mattigkeit lag ihr in den Gliedern. Sie war abgespannt bis zur Erschöpfung, ganz widerstandsunfähig. Sie schob es auf den Tag voll Hausfrauenarbeiten. Die hatte sie vor sich aufgebauscht und übertrieben, mit einem Aufwand von Zurüstungen sich förmlich betäubt. Es war in der Wohnung zugegangen, nicht als solle eine anspruchslose alte Frau kommen, sondern als müsse man mit äußersten Anstrengungen trachten, vor einer pomphaften und kritischen Dame zu bestehen.

So konnten die zitternde Rührung und die angstvolle Beklommenheit, die abwechselnd Juttas Gemüt beschweren wollten, niemals ganz Herrschaft über sie gewinnen.