„Ich beanspruche bekanntlich, daß meine Freunde sich geistig mal auch anders als nur in Bosheit betätigen,“ äußerte Reiswitz.
In diesem Augenblick schwoll durch alle Räume der eindringliche, vibrierende Klang eines Trompetensignals. Ein Kamerad rief im Vorbeieilen Reiswitz zu: „Antreten zur Quadrille.“
Er gab sogleich seiner Dame den Arm und führte sie in den Hauptsaal, an jenen Platz, den er mit seinen Partnern verabredet hatte.
Es dauerte aber noch viele Minuten, bis das entstandene verworrene Durcheinanderdrängen von Tänzerpaaren leidlich zur Ruhe kam und die einzelnen Karrees vollständig in ihrer Aufstellung wurden. Herren suchten nach ihren Damen hier oben, während die Dame vielleicht unten im Gartensaal wartete. Hilflose und Fremde, die noch gar keine Quadrillenteilhaber gesucht oder gefunden hatten, standen verlegen umher. Wer hier keine genauen Verabredungen getroffen und nicht durchaus sich zu Hause fühlte, war im argen Nachteil. Die den Tanz ordnenden jungen Offiziere eilten mit heißen und verzweifelten Gesichtern hin und her.
Die vier Paare von Juttas Quadrille standen geordnet, geduldig wartend.
Jutta und Reiswitz, gerade gegenüber der Korvettenkapitän Hochhagen, ein Mann mit bärtigem, ernstem Gesicht, das aber jetzt wie vor Freudigkeit verklärt schien. Die schlanke Dame neben ihm, mit regelmäßigen Zügen, in denen noch Weichheit und Frische der blühendsten Jugend war, sprach munter auf ihn ein.
„Sie ist wirklich reizvoll,“ dachte Jutta, „wie unbefangen sie ihre Schwärmerei zeigt! Wie fein der Ansatz ihrer dunkelblonden Haare an Schläfen und im Nacken. Was für ein gutes Profil! Und was für liebe Augen.“
„Ah,“ dachte sie weiter, fast voll Inbrunst, „möchte er sie wählen ...“
Jeder Herr plauderte nun mit seiner Dame, nachdem gleich, als man sich zusammengefunden, Herr von Rosenfeld Frau Konsul Krüger mit Jutta bekannt gemacht.
Frau Konsul Krüger, klein, voll, mit einem wunderhübschen blondhaarigen Kopf auf dem kurzen, dicken Hals, bewegte sich mit einer so auftrumpfenden Sicherheit, daß auf ihren Lippen die Frage zu schweben schien: Ist hier jemand, der ebensoviel Steuern bezahlt wie mein Mann?