„Liebling,“ sagte die Geheimrätin, „was denkst du nur: Vater und ich können doch nicht auf Reisen gehen und ein Brautpaar hier unbeaufsichtigt lassen. Was sollte man davon denken.“

„Wir wollen wohl auf Emmich und Renée passen,“ sagte Fips eifrig.

„Es ist völlig schnuppe, was die Leute denken,“ stellte Heinz voll Weltverachtung fest.

„Tante Adele könnte uns bemuttern!“ schlug Renate dringlich vor.

„Mein Ängel ...“ äffte Fips der altjungferlichen Tante Adele nach, die so zärtlich und getragen die Geheimrätin, ihre Jugendfreundin, anzureden pflegte.

„Unmöglich. Stell dir vor: wie lästig für Emmich. Er soll doch Rücksichten auf sie nehmen. Ihm müssen all ihre sentimentalen und anspruchsvollen Schrullen ungenießbar sein. Wir haben Geduld, weil wir das langsam sich wie Moos ansetzen sahen. Und den treuen Menschen darunter wissen. Nein, nein. Auch will Adele im August zu ihren Geschwistern.“

„Und wenn ...“ Renate mochte es ja wirklich kaum sagen. Aber der heiße Wunsch ... die erste junge Brautglückseligkeit ... „Und wenn — Vater allein ...“

Die Geheimrätin setzte mit Entschiedenheit, fast klirrend, ihre Tasse hin, aus der sie gerade hatte trinken wollen.

„Aber Liebling ... Kind! Ich soll Vater allein reisen lassen! Bist du bei Trost! Die Universitätsferien im Hochsommer sind die einzigen Wochen, wo Vater uns hat, wo wir ihn haben. Im Frühling arbeitet er meist durch — oder gönnt sich mal ein, zwei Wochen. Von Anfang Juli bis September gehört er doch einigermaßen sich und uns. Sieh mal, ich denke so: du gehst mit! Übers Jahr bist du Frau. Nun haben wir noch einmal unsere Tochter. Lockt dich denn die Schweiz nicht? Lockt dich Italien nicht?“

„Da bin ich ja schon allerwärts gewesen,“ sagte Renate betrübt.