Sie machten es sich nun gemütlich. Hinter dem Eingang zur Kajüte, der in üblicher Weise schräg überdacht war, hatte das Deck eine bassinartige, ovale kleine Vertiefung, in die man über zwei Stufen hineintrat. Ein breites Sitzbrett lief rund um und war mit Kissen belegt. Sie waren von Leder. Aber Klara hatte noch eine ganze Menge lose liegender, rotseidener gearbeitet, die man sich in den Rücken stopfen konnte oder unter den Kopf legen. Hier blieb man auch von der Mannschaft, solange glatte Fahrt war, ungesehen und ungehört, und nur bei irgend welchen Segelmanövern tauchten die weißroten Matrosen auf.
Wynfried und das rothaarige Mädchen saßen in träger Stellung einander gegenüber. Er hatte die Hände zwischen den Knien gefaltet und schaute aufmerksam in Ediths Gesicht. Tausend Teufel funkelten allezeit in ihren dreisten Augen. Und was ihren großen Mund betraf, dessen schön geschwungene, volle Lippen sich über sehr blendenden Zähnen leise öffneten, so dachte Wynfried: »Derart lüstern, daß es einen Mann irritieren könnte –«
»Nun, was sehen Sie mich so an?« fragte er.
»Ach – ich denk’ so: Sie haben ja viel zu früh geheiratet ...«
»Ich?«
»Na ja – wenn man so von nächtlichem Kindergeschrei hört ...«
»Meine Frau ist eine famose, großartige Frau. Jeder Mann hat Ursache, mich zu beneiden,« bemerkte er etwas ablehnend.
»Will nichts gegen sie sagen – nicht von fern – ich verehre Ihre Frau kolossal,« versicherte Edith sofort. Sie hatte irgend eine unbestimmte Empfindung gehabt, daß man über seine Ehe so mit ihm sprechen könne – aber sie spürte: das schien doch nicht geraten ...
Seit einiger Zeit fand sie, daß Wynfried Lohmann der schönste Mann sei, den sie je gesehen. Ziemlich groß, wundervoll gewachsen – die Augen blau und manchmal so rätselvoll im Ausdruck. – Die Züge vornehm – und das lockere Sporthemd ließ zuweilen, wenn er seine Jacke abwarf und selbst zugriff, weiße Arme und einen herrlichen Nacken sehen.
Und Edith hatte Stunden, wo sie wütend war – ja, dieser Mann wäre in jeder Hinsicht für sie gewesen. – Geld, Stellung – und seine Schönheit lud noch dazu ein, sich rasend in ihn zu verlieben ... Und was der Mann wohl von Frauen alles wußte und verstand! Hunderttausende sollte ihn ihr Studium gekostet haben. – Ach ja, er war weit und breit der einzige interessante Mann ... Und gerade dieser hatte sich mit einer so langweiligen Person verheiraten müssen.