Aber Likowski war in dieser Lage nicht der Mann, still zu warten.
Er riß sich mit der Rechten das Taschentuch herab, das Stephan ihm über Kopf und Stirn gelegt, zum Schutz vor Sonne und Fliegen.
Wenn es doch nicht in vierzehn Tagen heilte! Und wenn noch in dieser Woche – in der nächsten vielleicht – die Mobilmachung begänne! Das machte ihn toll. –
»Auf eins bin ich gespannt: wird es eine Männerschlacht oder eine Maschinenschlacht werden?« sagte er.
»Ich glaube,« meinte Stephan, »daß man große Überraschungen erleben wird, und daß im letzten Grunde jeder Krieg eine Männerschlacht sein muß und wird. – Die Seele wird irgendwie ihr Recht behalten – Mut, Tapferkeit, Besonnenheit. Der Furor teutonicus – ja mein Gott – ist ein Krieg denkbar, ohne daß all das aufflammt? Wir stehen vor Rätseln – ich will selbst zugeben: vor scheinbar unlöslichen. Und dennoch: im letzten Ende wird es nicht auf die Maschinen, sondern auf den Mann ankommen – auf Disziplin und Opfermut und wahnwitzige Tapferkeit. – Und es wird nicht daran fehlen –«
»Gott segne Sie, Kamerad, für diese Ansicht! – Es sind auch meine Gedanken. – Die geben den zähen Mut zur Arbeit –«
»Herr Hauptmann!« schrie einer von den Vieren am Grabenrand. Und die anderen drei schrien aufspringend dazu: »Sie kommen!«
In der Perspektive der Chaussee raste was heran – Der Lazarettwagen – der »Kommißäskulap« auf Likowskis Stichelrappen.
»Na gottlob!« sagte der Hauptmann. Und eigentlich erschien ihm dieser Augenblick schon als Beginn der Heilung.
In der Tat fingen ja jetzt erst die Schwierigkeiten an. Die provisorische Einschienung, der Rücktransport – das kostete Mühe und Zeit. Likowski bestand darauf, in seiner eigenen Wohnung zu liegen. Da war die alte Doktorin Lamprecht und klagte emsig treppab und treppauf und lief unnütz herum und brachte doch Herzlichkeit und Fürsorge mit sich. Und Likowski war ja an ihre Wieselart gewöhnt und kannte ihr ergebenes Altfrauengemüt.