Und dann kam der Professor aus Lübeck und nannte den Bruch bildschön und geradezu ideal, und Likowski lächelte bloß – wenn auch recht grimmig – zu den unvermeidlichen Schmerzen. Chloroform verbat er sich schroff. Endlich lag er dann geradezu hübsch anzusehen da – großartig eingeschient – getragen von dem Glauben, daß seine Knochen flink und glatt wieder zusammenwachsen würden – frisch, als sei überhaupt gar nichts passiert.
Und er neckte die strahlende kleine graue Alte.
»Nu mal aus Ihrem Mächenherzen keine Mördergrube gemacht, Lamprächtige! Na – was? So ganz tief inwendig freuen Sie sich doch, mich hier fest zu haben. So als Ihr kleines Kind! Aber das sag’ ich Ihnen gleich: es wird ’ne kurze Freude. Ich stelze Ihnen, im Notfall – Sie wissen in was für einem! – ganz einfach die Treppen ’runter und weg – so wie ich da bin! Das Wasserglas hält wie Eisen.«
Die Alte lächelte selig verlegen – und wehrte den schändlichen Verdacht, als freue sie sich, mit vielen Gesten und Worten ab.
Stephan sah: er konnte nun gehen. – Er kam erst gegen zwei Uhr zu seinem Essen. Seit dem Morgengrauen hatte er nichts genossen. – Aber darauf muß ein Soldatenmagen eingerichtet sein. Nervös überhungert? Das gab’s doch nicht! Und dennoch. Er schob, vielleicht aus solcher Empfindung heraus, den Teller bald von sich – er saß und starrte auf das Tischtuch nieder.
Ja, nun wurde alles anders ...
Sein Gemüt war schwer.
Er konnte nicht fortgehen. Wie er es sich und einer heißgeliebten Frau schuldig war.
Und sie würde es hören! Sie würde sofort den Grund begreifen und daß seine Pflicht ihn hier noch hielt. – Aber er wußte von selbst: sie hatte das Vertrauen, daß er es doch verstehen werde, sie zu meiden!
Sie kannten sich ganz genau – ohne Worte. – Ihre Seelen sprachen zueinander – ein geheimnisvolles Begreifen war zwischen ihnen – übertrug sich von einem zum anderen.