»Ich bin wie alle alten Leute,« sprach er mit einem mühsamen Lächeln, »ich mache lange Vorreden. Ganz klipp und klar hätte ich gleich sagen sollen: wollen Sie nach den nötigen Vorbereitungen bei ›Severin Lohmann‹ eintreten?«

Stephan sprang auf. Er erblaßte so sehr, daß dem alten Mann, der ihn mit fast gieriger Wachsamkeit beobachtet hatte, das Herz rasend zu klopfen begann.

»Hier?« sprach er sofort – ließ keine, gar keine Pause aufkommen, »hier? – auf ›Severin Lohmann‹ sein? Hier? Jeden Tag – immer? – Nein. Nein! Ich – ich – danke gehorsamst, Herr Geheimrat. Ich muß ablehnen.«

Bei den letzten Worten spürte man es: er hatte sich gefaßt. Und er setzte sogleich hinzu: »Sowie Likowski wieder Dienst tun kann, komme ich um Versetzung ein. – Nur sein Unfall hat mich verhindert, es schon heute zu tun. Ich danke gehorsamst –«

Das mächtige Haupt neigte sich ein wenig, als sei es müde. Unter den starken, grauen Brauen her kamen die tiefen Blicke und schienen in die Stürme und Leiden des jungen Menschen hineinsehen zu wollen.

»Können Sie mir den Grund sagen, weshalb Sie nicht bei uns bleiben wollen, weder als Mitarbeiter noch in Ihrer Garnison? Wollen Sie es nicht einem alten Mann sagen, der Sie liebhat und der – der auch – ein – Mensch ist ... der gelitten hat –«

Diese zitternde Stimme – zum erstenmal klang sie ihm greisenhaft – erschütterte Stephan.

Und doch sprach er leise und fest: »Nein!«

Nichts als dies kurze, jede weitere Frage ablehnende »Nein!«

Der gramvoll forschende Blick aber ergriff ihn. – Er tat, wozu es ihn schon vor Minuten hatte hinreißen wollen – er neigte sich tief und küßte die Hand des alten Herrn.