In ihre blauen, schwimmenden Augen kam ein beinahe gehässiges Licht.

»Oh,« sagte sie, »wie unweiblich! Du willst einen Mann halten, der nicht dir, sondern mir gehört! Ich möchte wohl wissen, wie du dir deine weitere Ehe denkst.«

Ein herbes Lächeln ging um Klaras Mund. Und in stolzer Abwehr sprach sie: »Über die Zukunft meiner Ehe habe ich mit dir nichts zu sprechen. – Und mir scheint – auch sonst nichts mehr.«

»Du weisest mich fort?« fragte Agathe und kämpfte wieder mit jäh aufsteigenden Tränen, »du willst mich beschimpfen?«

»Nein. Aber du mußt begreifen: nur mit meinem Mann habe ich über diese Sache zu reden. Und erst wenn ich von ihm selbst gehört habe, daß er frei zu sein wünscht, werde ich mich fragen müssen, was ich zu tun habe. Ich, von mir aus, muß unsere Ehe für unlöslich erklären.«

Die blonde Frau geriet in Verzweiflung und weinte wieder mit kindischen Lauten.

Sie ängstigte sich ja gerade davor, daß es dem Manne gar nicht um Freiheit zu tun sei. Ihre Phantasie sah eine große Vergebungs- und Versöhnungsszene zwischen den Gatten voraus.

Was noch tun? Wie sich den Sieg erringen? Sie hatte ihn sich so einfach gedacht. Klara war doch so edel, so selbstlos, so großmütig.

Agathe hatte in der Unverschämtheit kleiner Seelen all die Großmut der höheren Natur zu ihren eigenen Gunsten in Rechnung gestellt. Sie war von jenen, die einen Nebenmenschen unbefangen verraten, kränken, berauben können, um nachher zu ihm zu sagen: Du bist so großherzig, du wirst verzeihen. –

»Weine nicht,« sagte die junge Frau, »geh und laß mich allein.«