Der wuchtige alte Mann brach keineswegs zusammen. Er atmete tief auf – langsam hob er seinen Oberkörper – richtete sein Haupt empor. In jener furchterweckenden Herrscherhaltung, der verkörperte Wille selbst, saß er da.

Das Licht füllte den Raum – die unterbrochene Mahlzeit stand kalt auf dem Tisch, der in Unordnung war. Das blitzende Auge sah über alles weg.

Ein schweres Schweigen herrschte. –

Leupold wagte nicht, sich zu rühren, um nicht die Gedanken seines Herrn zu stören.

Was mochten es für Gedanken sein? Zornesfalten standen auf der breiten Stirn. Und eine mächtige Bewegung arbeitete in den großen Zügen.

Nein, das sah nicht aus, als habe ein hinfälliger Greis einen Stoß empfangen, der ihn umwerfen mußte – das sah vielmehr so aus, als sei alle Kraft von neuem erwacht, als spanne sich jeder Nerv in diesem gewaltigen Körper in straffer Energie.

Nun sah er, wie die Hände, ohne zu zittern, nach der Brusttasche griffen – da trug der Geheimrat ein Büchlein. Er nahm es – er schrieb ein paar Zeilen auf – riß das Blatt ab ...

»Nimm,« sagte er. – Nein, wirklich, nicht einmal seine Hände zitterten.

Leupold nahm es. Er sah: es war eine dringliche Depesche. Nach Köln. An den Sohn des Hauses. Und sie lautete: »Ich erwarte dich unter allen Umständen morgen früh hier. Dein Vater.«

Dann ging der Tag seinen Gang. – –