Klara, auf ihrem Bett, sank aus den leidenschaftlichen Tränen allmählich in einen Zustand der Erschöpfung hinüber. Sylvester hatte ihr ein Pulver aufgedrängt – sie nahm es aus Gefälligkeit gegen den besorgten Arzt. – Es mochte helfen, daß die Erschöpfung in einen ruhigen Schlaf überging.

Als sie erwachte, war es dunkel. Und sie hörte sausende Töne. – Kam das vom Werk her? Nein – Sturm! Der Nebel war weggepeitscht.

Klara richtete sich auf. Besann sich. Ihre Fassung war nun vollkommen.

Sie hatte seit Stunden nicht mehr gedacht – nicht denken können.

Und dennoch war in ihr eine eherne Gewißheit und Festigkeit.

Sie wußte: ihre Pflicht war es, noch einmal von vorn anzufangen, und um des Vaters wie des Kindes willen ihrem Mann zu vergeben, zu helfen. Sie wollte mit ihm sprechen und mit seiner schwachen Natur kämpfen – damit er begreife: er müsse sich zunächst ihre Achtung erringen.

Dies war das kleine Streckchen Lebensweg, das sich übersehen ließ – ob es ins Dunkel mündete, ins Helle führte – das mußte die Zukunft lehren.

Dieser gegenwärtige Augenblick forderte eine leichtere Pflicht von ihr ... Sie mußte den Vater beruhigen! In welche Aufregung mochte ihn ihre Ohnmacht gestürzt haben!

Sie kleidete sich an – rasch – und dachte: »Ich nehme den Kleinen mit hinauf.«

Sie fand ihn im Zimmer nebenan, in seinem Wagen lag er, seine Stimme übend, mit jenen unbegreiflichen Lauten, die noch keine Worte formen können und doch zu einem Mutterohr so beredt von prachtvollem Behagen und Wohlsein sprechen. Zwischen Spitzen und hellblauen Schleifen sah man das runde Gesichtchen und die prallen Arme. Und die großen Augen glänzten tief.