Sie blieb stehen – ihr Fuß wollte sie nicht weitertragen.

Was war das? Ein Zufall? Eine von jenen lächerlichen Notwendigkeiten des Alltags, die sich in das Große mengen? Gerade jetzt? In diesen qualvollen Tagen der Unklarheit, wo ihr Frauenschicksal in der Schwebe hing ...

»Mein Kind,« sprach der alte Mann ihr entgegen, »komm – sieh, hier ist unser Freund. Er hat ernste Nachrichten gebracht ...«

Und nach einer kurzen Pause setzte er hinzu: »Von – meinem – Sohn ...«

Nun war sie vor ihm und sah ihn an – nur ihn – als sei nicht noch einer hier, der ihren Blick und Gruß erwarten durfte.

Und doch sah, fühlte sie nur die Gestalt, die hochaufgerichtet, schweigend und unbeweglich dastand.

»Ja, mein Kind – Wynfried – er hat – ein Unfall ... Später erfährst du das Genaue. – Er liegt in Köln – krank ...«

Sie wich ein wenig zurück – im Schreck. Und wußte sofort: dann muß ich dahin – ihm helfen – er ist meines Kindes Vater – ich muß. – Ich wollte ja Geduld haben – wollte vergeben – nun muß ich es beweisen ...

»Dann will ich zu ihm – gleich – ja gleich. – Ihn pflegen – ihm beistehen –«

»Nein, mein Kind. Du wirst nicht hinfahren. Eine andere Frau, der nun wohl seine Zukunft gehören muß, sitzt an seinem Bett. Und deine Ehe – sie wird gelöst werden.«