»Aber glückstrahlend?«

Likowski erwog – prüfte nach – machte eine Kopfbewegung.

»Glückstrahlend? Das ist nu so ’n Wort. Nee. Klara Hildebrandt hat man nie angemerkt, ob ihr strahlend oder bekümmert zumute war. Immer beherrscht.«

»Sie wird schon glücklich sein, wie sollte sie nicht!« sagte Fräulein von Gerwald. »Eine Volksschullehrerin, die einen Millionär bekommt! Es ist beinahe phantastisch!« Und sie seufzte.

»Gott,« sprach Agathe, »sie hat sich verkauft! Es gibt ja viele Ehen, die ’n Handel sind – so ’rum oder so ’rum.« Und sie seufzte auch.

Alle wußten, sie dachte jetzt an ihre eigene Ehe.

»Die einen werden verkauft, die anderen verkaufen sich,« fügte sie ganz elegisch hinzu.

Stephan Marning dachte: »Ja ... verkauft – sie hat sich verkauft ...« Und er hatte ein Gefühl von Ablehnung, fast von Erbitterung.

Likowskis Ritterlichkeit wallte auf.

»Nein,« behauptete er, »was auch die Leute klatschen – der Vater soll ihn gezwungen haben, damit er in Ordnung käme – hätt’s zur Bedingung gemacht für Bezahlung der Schulden – soll Klara Hildebrandt eine Million geschenkt haben, damit sie den Sohn nimmt – Klara soll ihn hassen – der Wynfried soll ein ganz verbrauchter, verseuchter Mensch sein. – Ist ja alles Quatsch. Immer wird drauf losgered’t, ohne daß eine Seele genau die Motive kennt. Ich bind’ doch auch nich aller Welt auf die Nase, warum ich dies und das tue und lasse. Als ob der Geheimrat so ’n Schuft wäre und ein Mächen an einen verseuchten Mann verkuppelte! Als ob die Klara Hildebrandt ’n Mächen wäre, das sich so schlankweg kaufen läßt! Nee, so ’n simpler, ekelhafter Handel is das nu nich gewesen. An den Reichtum hat sie nich gedacht. Vom Geld ist bei der ganzen Verloberei nich ein Ton gesprochen, sagt die alte Lamprecht. Und sie sagt, vor der Klara müsse man den Hut abnehmen.«