Nur Hansi nicht. Er wußte nicht, daß ihn eine Tante längst eingeladen, und niemand dachte daran, ihm etwas davon mitzuteilen. Da überkam ihn nach und nach eine große Traurigkeit. »Alle werden sie fortgehen, dann bin ich ganz allein,« dachte das Hänschen, und in Gedanken durchwanderte er das große Haus und horchte vergeblich an den totenstillen Klassenzimmern. Mit einem Mal hatte er die vielen wilden Buben lieb. Er konnte es ihnen nicht sagen, er schaute sie nur an mit bittenden Augen, die so deutlich sagten: »Geh nicht fort! Weißt du denn nicht, daß ich dann ganz allein bin?«

Aber frische, lebenslustige Buben verstehen eine leise Augensprache schlecht. Hansi mußte deutlicher reden, und das tat er auch eines Tages. Der Größte der ganzen Schar, der schon beinahe wie ein Herr dreinsah, hatte Hansi erlaubt, sein Gärtchen zu begießen. Eifrig trippelte der Kleine hin und her. Das Wasser lief aus der Kanne nicht nur auf die Blumen hinab, sondern auch auf Hansis Schürze und Schuhe. Ängstlich beschaute er den Schaden aber der Große wußte Rat.

»Komm, die Schürze hängen wir an die Mauer, da scheint noch Sonne hin. Die trocknet bald.«

Er tätschelte bei diesen Worten Hansis Haarschopf — das tat wohl bis tief ins kleine Herz hinein. Hansi faßte plötzlich Mut.

»Du, Ernst, kann ich nicht mit dir in die Ferien gehen? Weißt du, ich muß sonst allein dableiben.«

Noch ehe Ernst antworten konnte, erklang ein unbändiges Gelächter. Hinter den beiden stand Hansis schlimmster Quälgeist, ein lang aufgeschossener Junge mit schlenkrigen Gliedern. »Nun meint das Kindle, es bleibe allein zu Hause! Ha, ha, das ist ja rein zum Totlachen! Aber halt!« — der lustige Ton schlug plötzlich in einen ernsthaften um — »du hast ganz recht. Du mußt freilich allein dableiben. Ganz allein ... Die Hauseltern gehen weg, und die Mägde gehen weg, und die Lehrer gehen weg, und natürlich alle Buben — nur du allein mußt dableiben und das Haus hüten.«

Hansi starrte den Sprechenden an mit weit aufgerissenen, entsetzten Augen, und nun geschah etwas völlig Unerwartetes. Er schrie auf, so jammervoll, daß es sogar dem dummen Buben ins Herz drang, und dann stürzte er, immer den gleichen schmerzlichen Schrei ausstoßend, aufs Haus zu.

»Du Esel!« knurrte der große Ernst und gab dem Quälgeist einen Rippenstoß. Dann rannte er in großen Sprüngen dem kleinen Kameraden nach. Drinnen im Haus fand er ihn. Die Hausmutter, eine rüstige Frau, mit einem freundlichen, tüchtigen[TN1] Gesicht, hielt Hansi auf dem Schoß und strich ihm beruhigend über die tränennassen Bäckchen.