„Warum meinst du das?“ fragte der große Peter lächelnd.

„Weil ich es einmal gehört habe, im Wald, weißt du, bei dem kleinen schwarzen See. Da muß das Bächlein hinein und deshalb weint es.“

„Na, hör' mal, Peterchen!“ begann Frau Elisabeth, aber ihr Mann legte eine beschwichtigende Hand auf ihren Arm.

Das konnte er verstehen. Das hatte der Junge von ihm. Es war ihm, als höre er wieder ein paar Takte aus seiner Zukunftsmusik … War er nicht auch als junger Bursche, wenn er durch Wald und Wiesen strich, stehen geblieben, um etwas von den Tönen zu erlauschen, die Wind und Bach und Tanne sangen? Ein Lied, ein funkelndes Lied der Freude, hatte ihm daraus geklungen. Und das Peterchen hörte ein Weinen … Also doch nicht ganz dasselbe, nein, nicht ganz.

Eine leise Unzufriedenheit wollte in Peter Niemeyer aufsteigen, aber er zwang sie nieder.

„Ich hörte kein Weinen, Peterchen. Ich wollte sagen, das Gletscherbächlein mache Musik. Ganz feine, silberne Töne hört man.“

„Ja … da singt jemand,“ nickte das Kind. Es saß und schlenkerte mit den Beinen und schaute aus weichen, verträumten Augen.

Peter Niemeyer stand auf und lachte. Die Zeit drängte. Er mußte eiligen Abschied nehmen. Dann setzten sich die Räder in Bewegung, und das Peterlein rollte davon, weit weg, dorthin, wo das Bächlein unter schimmerndem Eis kleine Lieder singt.

Es gab auf der Reise sehr viel Erstaunliches zu sehen. Da waren die Telegraphendrähte. Lange Strecken liefen sie neben dem Zug her, oft nur in der Höhe des Fensters, aber das genügte ihnen nicht. Hinauf, hinauf! schienen sie zu schwirren. Und sie fingen an zu steigen – – rascher – rascher! Wohin! wohin? Da – – eine böse lange Stange stand in ihrem Weg und riß sie alle herunter – o so tief! Konnten sie nun nicht mehr fliegen? Nein, manchmal war es ganz aus damit. Sie sanken, sanken, und jede böse Stange machte sie tiefer sinken. Aber streckenweise ging es an tapfern Drähten vorbei. Die flogen jedesmal, wenn der dunkle Schatten sie heruntergezerrt hatte, aufs neue in die Höhe, immer wieder, immer wieder – – bis – – Ja, mit einem Mal waren sie ganz weg, und die Eisenbahn fuhr dicht an einem See vorbei, so dicht, daß man glauben konnte, die Räder liefen im Wasser. Es schimmerten blanke Steine und weiches, bewegliches Gras, und da – ja, da war ein Fisch, ein wirklicher, lebendiger Fisch, der blitzschnell zwischen den Steinen durchfuhr.

Dann mußte man durch einen dunkeln Tunnel fahren. Das war nicht hübsch. Aber nachher …