Als das Kind näher trat, flüsterte sie hastig: „Es fällt mir jetzt gerade nicht ein. Wahrscheinlich ist's so etwas wie ein Rabe.“

„Aber Raben sind doch ganz schwarz, Mutter!“

Peterchen stand vor ihr, die Hände auf dem Rücken, und betrachtete sie vorwurfsvoll. Plötzlich sagte er: „Hast du den Namen wirklich mal gewußt? Oder, oder … weißt du, Mutter, heute – – am Essen – – das hast du auch nicht gewußt … weißt du, das weiße Haus, von dem der alte Mann erzählte. Da hast du bloß so getan – –“

Frau Elisabeth saß da, über und über errötend. Einen Augenblick war ihr, die ganze Bergkette senke sich, als wolle sie ihr eine spöttische Verbeugung machen. Die Fremde mußte jedes Wort gehört haben. Peterleins Stimme war so durchdringend hell, und die halb vorwurfsvoll, halb trotzig gesprochenen Worte hatten sehr deutlich geklungen.

Frau Elisabeth neigte sich ein wenig vor und sagte ärgerlich: „Du bist ein ungezogenes Kind, Peter! So spricht man nicht zu seiner Mutter. Ich habe nie zu meinen Eltern gesagt, sie machen dies oder jenes nicht recht.“

„Ja – aber … Eltern sind doch auch manchmal unartig, Mutter. Nicht?“

Frau Elisabeth starrte ihren kleinen Sohn an. Er erwiderte ihren Blick, nicht trotzig, nur harmlos erstaunt.

Was sollte sie nur antworten?

Da – mitten in das Schweigen hinein – klang ein Lachen, ein herzliches, befreiendes Lachen. Die fremde Dame war aufgestanden und näherte sich den beiden.

„Du hast ganz recht, mein Junge! Wir Großen alle sind auch manchmal unartig. Aber – – das kannst du mir glauben – wir strengen uns tüchtig an, es nicht zu sein … Darf ich?“