Frau Elisabeth und die Fremde reisten an demselben Tage ab. Beide waren froh, in den alten Wirkungs- und Pflichtenkreis zu kommen. Auch Peter freute sich nach Kinderart der Veränderung. Er freute sich besonders darauf, dem Vater die schönen Steine zu zeigen, die er auf allen Wegen gesammelt. Aber als er von der „Tante“ Abschied nehmen sollte, riß er die Augen weit auf und starrte der Davongehenden nach.
Sie wandte sich nach einigen Schritten, ein letztes fröhliches Wort auf den Lippen … Und konnte es nicht aussprechen. Sie wußte, nie würde sie diese entsetzten Augen vergessen können.
Das aber ahnte sie nicht, daß ihr Bild durch lange Monate hindurch wie ein köstlicher Schatz in Peterleins Herzen gehütet wurde. – –
Der Vater freute sich an den mitgebrachten Steinen, bis er eines Tages entdeckte, daß Peterlein wieder seine „sonderbaren Sachen“ damit treibe. An einem Fleck im Garten hatte er sie alle zusammengetragen. Fein säuberlich eingewickelt war jeder, in buntes Papier oder in Stoff-Fetzen, und nun wurden sie auf Moos gebettet oder in kleine Gruben gesteckt.
Peterlein war so versunken in sein Spiel, das er mit einem glückseligen, zärtlichen Gemurmel begleitete, daß er des Vaters Schritte nicht hörte. Erst als die barsche Frage: „Was treibst du da?“ an sein Ohr drang, fuhr er empor. Er verstand nicht, warum der Vater so streng aussah, aber es schüchterte ihn ein, und er sagte ängstlich: „Es sind so liebe Steine … ich mache ihnen allen Bettchen.“
„Ach, dummes Zeug! Das tut man doch nicht mit Steinen. Jetzt wirfst du auf der Stelle den ganzen Plunder weg. Dort – – auf den Kehrichthaufen hinunter.“
All die lieben Steine wegwerfen?… Der kleine Peter betrachtete den großen fragend, immer noch halb verträumt. Dann kam der Befehl zum zweitenmal, und er begriff.
Dunkelrot färbte sich sein Gesicht, schwarz und drohend blitzten die Augen, aber er bückte sich und sammelte die Steine in seine Schürze. Dann ging er zum Zaun hinüber und warf die Steine auf den Kehrichthaufen, einzeln, langsam, als wolle er die Qual möglichst lange auskosten. Einmal hielt er inne. Einer der Steine war auf ein Stück Eisen gefallen und zerbrochen. Da hatten Peterleins scharfe Augen an der glatten Bruchfläche etwas zu entdecken geglaubt. Aber er machte keine Bemerkung darüber. Er warf die Steine hinunter, einen nach dem andern, und schielte zu Zeiten nach dem Vater hinüber, der ihm ruhig zusah.
„So … nun kannst du mit mir in die Werkstatt kommen. Du darfst zusehen, und vielleicht darfst du auch etwas helfen.“
Peter Niemeyers Stimme klang jetzt freundlich. Du lieber Himmel! Er war ja kein Wüterich, kein Spielverderber. Er wollte den Jungen gern froh wissen, aber auf eine vernünftige Weise. Für derartige Dinge war er nun einfach zu groß.