Peterlein machte auch zu den freundlichen Worten keine Bemerkung. Er hielt die Augen eigensinnig gesenkt und benützte die erste Gelegenheit, aus der Werkstatt zu entschwinden. Eilig lief er in den Garten zurück, kletterte über den Zaun und war mit einem Satz auf dem Kehrichthaufen. Wo war nur der zersprungene Stein? Da – Peterlein bückte sich und unterdrückte einen Jubelruf. „Ein Schmetterling! Ein ganz schöner Schmetterling!“ murmelte er staunend und fuhr mit dem Finger den feinen Linien der Versteinerung nach. „O, das soll er nicht sehen, der Böse!“
Er kletterte mit seinem Schatz vorsichtig wieder hinauf, lief durch den Garten und ins Haus. Dort ging er lange Zeit ruhelos umher. Kein Versteck wollte ihm gut genug erscheinen für seinen herrlichen Stein.
Endlich geriet er auf den Einfall, ihn in sein Kopfkissen zu schieben. Frau Elisabeth entdeckte natürlich den verborgenen Schatz, als sie Peterleins Kissen zurechtschüttelte. Da lernte sie denn die ganze Geschichte kennen, und Peterlein verfiel in trotzige Anklagen gegen den „bösen“ Vater, der ihm seine Steine genommen.
Die Mutter schalt. „Was fällt dir ein, so von deinem Vater zu sprechen, du unartiger Bub! Die großen Leute wissen viel besser, was für die kleinen paßt, als diese selbst. Weißt du noch, gestern? Da hat Vater dir verboten, mit dem Messer zu spielen, und wie du's doch getan, hast du dich geschnitten. Na, nun siehst du's.“
Peterlein saß aufrecht im Bett und dachte nach. Dann meinte er langsam: „Aber, Mutter, das ist doch nicht dasselbe. Mit dem Messer – – ja, da hat der Vater gewußt, daß es nicht paßt … und – und ich bin unartig gewesen … Aber warum passen die Steine nicht, Mutter? Da kann man sich doch nicht schneiden … Es waren so liebe Steinchen, Mutter, und ich hatte ihnen so schöne Bettchen gemacht.“
„Nun höre mal auf mit den dummen Steinen und geh' schlafen!“
Frau Elisabeth war gereizt. Im Grund war ihr ja die Handlungsweise ihres Mannes auch unverständlich. Warum ließ er denn dem Kind die Freude nicht? Aber ihn darüber befragen – – nein, das wagte sie nicht. Und der Junge sollte nur auch beizeiten lernen, das Fragen zu unterdrücken und sich seinem Vater anzupassen.
Sie ging ohne Gutenachtkuß, und Peterlein rief sie nicht zurück. Er saß noch immer in seinem Bettchen und rang mit seltsamen Gedanken. War das nicht alles schon oft so geschehen?… Was denn?… Das mit den Steinen? – – Das war ja unmöglich. Nein, aber das, das so weh tat, so furchtbar weh … das – – ja, nun wußte er's … Die Mutter liebte ihren kleinen Peter lange nicht so, lange nicht so – wie sie den Vater liebte.
Peterlein ließ den Kopf schwer ins Kissen fallen. Den Stein gegen die Wange gedrückt, starrte er in das dämmrige Zimmer. Er hätte gerne geweint, um den Druck im Hals los zu werden. Aber wenn man ihn gehört hätte?
Seine Gedanken gingen auf die Suche nach etwas Tröstlichem, und da fanden sie den Stein. Der wunderschöne Schmetterling … Wer hatte ihn da hineingezeichnet?… Natürlich der liebe Gott. Der hatte ja alles gemacht, die Berge und das Moos und die Bäume und die Steine. Aber daß er so geschickt wäre und auch noch innen in die Steine etwas zeichnen könnte – nein, das hätte Peterlein nie gedacht. Aber nun wußte er auch, was er werden wollte. Wenn er groß war, wollte er weit fort wandern, immer weiter, und schöne Steine finden und schöne Vögel und schöne Blumen …