Herr Röder sah einen Augenblick verdutzt drein, dann brach er in ein frohes Lachen aus.

„Niemeyer, das haben Sie gut gemacht. Den Conrad Ferdinand und Karl May! Aber nun sagen Sie einmal ehrlich: Was fesselt Sie an diesen verlogenen Indianergeschichten?“

Peter dachte nach und erwiderte zögernd: „Ich glaube das, daß die Kerle so tapfer sind, und daß sie so viel Neues entdecken … Das möchte ich auch einmal – – reisen – weit weg, in Länder, in denen noch nie jemand gewesen ist …“

„Da müssen Sie sich aber sputen, Niemeyer, die Erde ist nahezu entdeckt! Übrigens, ich mache Ihnen einen Vorschlag. Kommen Sie bei mir vorbei und sehen Sie sich einmal Sven Hedins Bücher an. Da finden Sie Tapferkeit und finden Neuland, und ich denke, darüber wird Ihnen der Geschmack an Karl May vergehen. Die Liebe zum Conrad Ferdinand dürfen Sie behalten.“

Als Peter den ersten Band von „Transhimalaya“ nach Hause trug, begegnete ihm sein Vater im Hausflur. Es war eine wohlige Unruhe in dem Jungen. Er ahnte, daß er etwas Köstliches in Händen halte, und, wie immer, wenn ihn etwas Frohes bewegte, drängte es ihn zur Aussprache.

„Vater, ich habe ein feines Buch! Herr Röder hat es mir geliehen … Kennst du es? ‚Transhimalaya‘ von Sven Hedin.“

„Den Titel kenne ich.“

„Willst du es auch lesen, Vater? Es muß sehr fein sein. Herr Röder ist ganz begeistert. Ich kann es ja vielleicht am Abend vorlesen?“

„Ach, laß nur! Das wird für Mutter nicht sehr unterhaltend sein, und ich weiß auch nicht, ob es mich sehr interessieren würde. Freue dich nur allein daran – das verstehst du ja ausgezeichnet.“

Der junge Peter kniff die Lippen zusammen und ging nach seinem Zimmer.