„O, Peter, nun sprichst du wie ein Herr. Wir sind doch keine großen Leute. Die fragen sich solche Sachen.“
„Na, also. Leb' wohl, Ruth. Vielleicht komme ich morgen wieder. Übrigens – kommt die Tante Trude eigentlich?“
„Nein. Sie kann nicht kommen. Es tut uns allen so schrecklich leid. Und sie hat geschrieben, sie hätte uns alle so gern kennen gelernt, und wir sollten ihr doch schreiben, dann kenne sie uns ein bißchen. Aber die andern wollen nicht. Nur Rudolf natürlich. Der muß sich doch auch bedanken. Aber Willy sagt, Briefe seien etwas Gräßliches, und Hans sagt, da habe er Gescheiteres zu tun. Und wie ich sagte, ich wolle schreiben, da sagten sie: Ja tu's nur, für ein Mädchen paßt das viel besser. Aber nun genier' ich mich doch ein bißchen, so allein. Oder – – Peter, könntest du nicht schreiben? Sie kennt dich ja sogar besser als uns. Willst du nicht?“
„Vielleicht. Ich sag's dir dann morgen. Gute Nacht, Ruth.“
„Gute Nacht, Peter.“
„… Als einen im Grund unerfreulichen Burschen meinst du dich vorstellen zu müssen. Da muß ich dir denn doch verraten, daß der Peter, der zu mir gekommen in jenem kurzen Brief, durchaus keinen unerfreulichen Eindruck hinterlassen hat. Er und das Sonnenkind Ruth zusammen haben mir einen sehr schönen Abend geschenkt, und ich hoffe ernstlich, es bleibe nicht bei diesem ersten Besuch.“
Peter las diese Stelle in Tante Trudes Brief wieder und wieder. Es war, als strecke sich ihm eine warme Hand entgegen: Sieh, da bin ich, komm' zu mir, ich verstehe dich. Und er freute sich, daß er Ruths Drängen nachgegeben und geschrieben hatte.
Frau Elisabeth war weniger erfreut. Schon die häufigen Besuche im Nachbarhaus hatten Anlaß zu allerlei spitzen Bemerkungen gegeben, und sie hatte ihrem Mann mehrfach die Frage vorgelegt, was nur Peter an dem magern kleinen Ding Schönes finden könne. Peter, der Ältere, hatte gelacht und gemeint: „Na, Betty, das ist nun ein Punkt, über den sich ewig streiten läßt. Dem einen gefallen dralle Backen, und dem andern gefällt so ein schmales Gesichtchen. Übrigens finde ich sie ein ganz nettes Ding, und ein wohlerzogenes. Sei nur froh, daß Peter nicht auf irgend ein albernes, kokettes Mädchen verfallen ist.“
Frau Elisabeth merkte, daß sie in dieser Angelegenheit bei ihrem Mann keine Unterstützung finden werde. „Er wird eben auch so gewesen sein,“ dachte sie ärgerlich, aber allmählich gewöhnte sie sich an Peters Freundschaft, und wenn sie auch kein gutes, verständnisvolles Wort dafür fand, so unterdrückte sie wenigstens die schlimmen.